Blogging vs. Journalismus. Der Kampf geht in die…wievielte Runde nochmal?

Blogging vs JournalismBloggen kann jeder. Aber Journalist sein? Darf ein Blogger den Status eines Journalisten teilen? Dieses Thema bietet reichlich Diskussionsbedarf und spaltet die Mediengemeinschaft. Fast schon wie bei einem Faustkampf liefern sich die Gegenseiten, in Form von Argumenten und Gegenargumenten, Hiebe.

 

 

Bei der Frage ob Blogger Journalisten gleichzusetzen wären, teilen sich in der Medienlandschaft die Meinungen.  Manch einer sieht sich als Blogger voll professionalisiert, während ein anderer schon fast mit spöttischem Ton das „Bloggertum“, als Teil des Journalismus, kategorisch ablehnt.

Zum besseren Verständnis der andauernden Diskussion, sollten zunächst einmal die Begriffe “Blogger” und “Journalist” definiert, wenigstens aber erläutert werden. Ein Blogger ist der Verfasser und Herausgeber von Blog-Beiträgen die oft im Stil von kurzen Tagebucheinträgen gestaltet sind. So in etwa wird der Begriff im Internetportal gruenderszene.de erklärt. Diese Beiträge sind Texte zu bestimmten Themen, die häufig in der Ich-Perspektive geschrieben sind und die persönliche Meinung des Autors enthalten. Deswegen wird Blogging oft mit dem Begriff „Meinungsjournalismus“ in Verbindung gebracht.

Dagegen ist ein Journalist laut Deutschem Journalisten-Verband jemand der sich „hauptberuflich an der Verbreitung und Veröffentlichung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Massenmedien beteiligt“. Journalisten nehmen eine Vielzahl von Rollen ein wie z.B. Korrespondent, Redakteur, Video- und Fotojournalist. Dennoch ist die Berufsbezeichnung „Journalist“ in Deutschland nicht rechtlich geschützt und kann daher auch ohne entsprechende Ausbildung geführt werden.

Genau hier scheiden sich die Geister.

 

Blogs gibt es zu diversen Themen, von Essen bis hin zu Modellbau, aber ein wirklich interessanter Gegenstand in Hinsicht auf Blogging ist die Politik. Sie wird ausgiebig von den Medienakteuren in Deutschland beleuchtet und so dachten sich ein paar Blogger, allen voran netzpiloten.de-Projektleiter Tobias Schwarz, netzpolitik.org-Macher Markus Beckedahl und Videoblogger Tilo Jung: Wieso nicht auch wir?

Durch ihr professionelles Vorgehen und die präzise Gestaltung ihrer Formate lassen sich kaum Unterschiede zur Aufmachung einer der Mediengrößen, wie z.B. der Frankfurter Allgemeine Zeitung oder Die Zeit, in Bezug auf den politischen Teil erkennen. Trotz dieser bemerkenswerten Eigenschaften wurden ihre Akkreditierungsanträge, dem Bundestag beizuwohnen, abgelehnt. Tobias Schwarz erhielt eine Absage weil schon zu viel Blogger versucht hätten bei dem Besuch der Kulturstaatsministerin Monika Grütters anwesend zu sein. Markus Beckedahl erhielt keine Jahresakkreditierung weil „keine parlamentarische Berichterstattung“ durch seinen Blog gewährleistet sei und Tilo Jung wurde ebenso Zugang verwehrt, für sein Youtube-Format Jung & Naiv im Bundestag zu drehen. Im Angesicht ihrer vorherigen Leistungen und Berichterstattung durch ihre Blogs ist dies völlig unverständlich. Ihre Arbeit kann sich mit der von klassischen Journalisten messen.

Ein weiterer Aspekt Blogger als Journalisten anzusehen ist ihre Unabhängigkeit. „Blogs sind eine offene Form von Journalismus“, behauptet Dennis Sulzmann, von der Huffingtonpost, in seinem Artikel Blogger vs. Journalisten: legt die Waffen nieder!. Ohne den zeitlichen und redaktionellen Druck lässt sich viel einfacher und manchmal sogar tiefgründiger recherchieren und berichten. Ein Blogger recherchiert, fotografiert und layoutet in seinem eigens erstellten Zeitfenster. Er kann, ohne negative Resonanz seines Publikums, erst während eines Großereignisses Blogeinträge verfassen, während man von Journalisten in der Regel Vorberichte erwartet. Er muss sich an keinen Kodex halten, aber an rechtliche Rahmenbedingungen, und beharrt auf seiner Meinungsfreiheit. So bleibt seine Arbeit von Fremdeinflüssen unbelastet. Dabei sollte man jedoch auch beachten, dass dies gewisse Vor- und Nachteile mit sich bringt. Ein Vorteil ist sicherlich die individuelle Entfaltung die der Blogger auslebt, ein Nachteil, dass niemand seine Arbeit vor Veröffentlichung kommentiert oder korrigiert. Freiheit und freie Themenauswahl sind ein essentieller Bestandteil des Bloggertums. 

 

Die Gegner des Bloggings als Form von Journalismus fußen ihre Kritik vor allem auf der Qualität der Arbeit akkreditierter Journalisten. Eine derartige Begründung könnte wie folgt lauten: „Journalisten haben hohe professionelle Standards denen Blogger aus verschiedensten Gründen nicht gerecht werden können.“ Diese Aussage ist durchaus begründet, denn Journalisten sind durch den Pressekodex sich selbst und Anderen verpflichtet diese Standards einzuhalten. Ein passendes Beispiel hierfür ist die Recherchearbeit. Während ein Blogger generell und im Gegensatz zu den oben genannten Beispielen der Polit-Blogger eher oberflächlich an einem Thema kratzt, arbeiten Journalisten daran, möglichst tiefgründig in ein Themengebiet vorzustoßen, wie etwa beim Investigativ-Journalismus. Durch präzises Vorgehen können Sach- und Tatbestände aufgeklärt und auch Hintergründe erläutert werden. Ein Blogger kann wohl kaum das Format eines Günter Wallraff erreichen; ihm würden die erforderlichen Ressourcen und die nötige Erfahrung für ein solches Vorgehen fehlen. Es wäre wahrscheinlicher, dass er durch einen Blog-Eintrag zum entsprechenden Thema in Form einer Meinungsäußerung zur Diskussion auffordern würde. „Beim Blogger geht´s mehr ums Erleben, weniger ums investigative Informationen-Sammeln“, heißt es dementsprechend auch in einem Eintrag auf der Seite blogland-bremen.de. Aus journalistischer Sicht völlig unvorstellbar.

Nicht zuletzt wegen solcher Äußerungen behaupten die Verfechter des klassischen Journalismus oft die Arbeit eines Journalisten sei seriöser und hochwertiger als die eines Bloggers. Grund sind die sauber recherchierten und exklusiven Stories die Journalisten anbieten. Sie sind die „offiziellen“ Fragensteller und Antwortengeber die für den Leser wertvolle Informationen bereitstellen, an die sie durch ihr Rechte und Privilegien herankommen. Ein Symbol dafür ist natürlich der Presseausweis. Um ihn zu erlangen, muss man Mitglied beim Deutschen Journalisten Verband, dem Verband der Zeitungsverleger, beim Verein Deutscher Foto-Journalisten oder der Gewerkschaft Druck, Journalismus, Papier sein und nachweisen können, dass man hauptberuflich als Journalist tätig ist. Durch diesen Ausweis ist es möglich an Veranstaltungen wie Pressekonferenzen, sportlichen Großereignissen und Bundestagssitzungen teilzunehmen sowie Interviews zu führen, um über diese sachlich-objektiv zu berichten. Somit ist der Journalist immer ganz nah am Geschehen, während der Blogger nur aus der Ferne und durchaus auch mit zeitlichem Verzug informieren bzw. seine Meinung zum Besten geben kann.

 

Ob Blogger nun als Journalisten betrachtet werden können, ist eine fortwährende Diskussion, bei der es keinen eindeutigen Sieger gibt.  In Deutschland sind die Grenzen der Berufsbezeichnung Journalist zu schwammig definiert um klar bestimmen zu können, ob Blogger diesen Titel tragen dürfen oder nicht. Es ist noch nicht einmal gegeben das Blogger unbedingt als Journalisten betrachtet werden wollen. Erwiesen ist jedoch, dass Blogger – mit Ausnahmen – genauso journalistisch vorgehen und arbeiten können, wie ihr „offizielles“ Counterfeit. Denn auch Journalisten können bloggen und tun dies. Auf jeden Fall zu beachten ist die steigende Wichtigkeit von Blogs und deren Inhalten, da auch diese immer öfter als Quellen dienen, besonders in Konflikt- oder Katastrophengebieten aus denen Informationen oft nur über Blogging Dienste und Social Media, wie z.B. Twitter, an die Öffentlichkeit gelangen. Im Grunde spielen sich beide Seiten fortwährend den Ball zu indem sie sich der Nachrichtenquellen des jeweils anderen bedienen. Dennoch wird ordentlich weiter kritisiert. Irgendwie eine paradoxe Situation, deren einfachste Lösung die schon längst überflüssige Beendung der Diskussion und ein gemeinsames Entgegenkommen, durch gegenseitige Akzeptanz von Journalisten und Bloggern, ist.

von Tom Hahn

 

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