Fantastisch automatisch

Robots on Keyboard

©Jenn and Tony Bot

Automatisierung ist etwas Großartiges. Es wird dem Journalismus helfen sich neu zu finden.

Ein Plädoyer für mehr Roboter im Journalismus.

 Von Beatrix Augustin

 

Oh, du wundervolle Technik! Wie viel Arbeit du uns abnimmst, ist unglaublich. Endlich ist wieder genug Zeit da, um wirklich zu recherchieren und nachzuhaken; und selbst dabei hilfst du. Routineaufgaben nimmst du ab, schreibst einfach so Artikel über Lokalsport, Immobilien, die Börse. All die Dinge, die sonst Zeit kosten, die man am liebsten dem Praktikanten oder der Praktikantin auf den Schreibtisch legt, die eben gemacht werden müssen, aber einen nicht weiter bringen und nicht viel mit Journalismus zu tun haben. All das übernimmst du einfach. Ohne dass man selbst etwas tut, publizierst du.

Roboterjournalismus wird das Ganze genannt. Texte werden automatisch generiert und veröffentlicht. Alles, was es braucht, sind ein paar strukturierte Daten, die das Programm in Sätze verpackt. Und auch wenn man nicht glauben möchte, dass Maschinen die deutsche Sprache so gut modellieren können, es fällt eigentlich nicht auf. Okay, vielleicht sind sie nicht mit ganz so vielen Ausschmückungen und Wortvariationen ausgestattet – aber wer braucht die schon?

Und nicht nur schreiben können Maschinen. Sie können auch riesige Datenmengen scannen und auf Unregelmäßigkeiten hinweisen, die man dann wirklich beachtet. Schließlich ist es in Zeiten von „Big Data“ unmöglich geworden, alle Informationen selbst zu analysieren.

„Aber dann werden doch alle Journalisten durch Roboter ersetzbar!“, ertönt es jetzt. Aber nein. Computer sind noch lange nicht so weit, Meinung zu haben, geschweige denn Kommentare zu schreiben oder gar Ironie zu erkennen. Der Journalismus wird sich durch Automatisierung verändern, keine Frage. Unnötige Stellen werden gekürzt, manche Ressorts, wie zum Beispiel der bereits erwähnte Sport, können künftig komplett automatisch erstellt werden. Doch es werden nicht alle arbeitslos. Stattdessen haben die Redakteure dann mehr Zeit für investigative Recherche, Hintergrundgespräche und Qualitätsjournalismus. In anderen Branchen hat die Automatisierung schon längst Einzug gehalten: Maschinen bauen unsere Autos, produzieren unsere Lebensmittel oder navigieren uns mit dem Auto durch die Stadt. Jeder Computer, jedes Handy übernimmt für uns Aufgaben, die wir zuvor mühselig von Hand gemacht haben.

Und auch in dieser immer mobiler, flexibler und individueller werdenden Gesellschaft müssen wir uns eingestehen, dass Computer Informationen besser für den Einzelnen aufbereiten können als man das in einem normalen Artikel in der Zeitung kann. Durch mehr strukturierte Daten können Artikel personalisiert ausgegeben werden. Es kann darauf eingegangen werden, ob jemand nur einen kurzen Bericht über das letzte Fußballspiel oder doch eine lange Auswertung der Partie lesen möchte. Und die Straßensperrung in dem 15 km entfernten Dorf, durch das man nie fährt, ist auch eher unwichtig. Der Computer-Artikel kann strukturieren und darauf achten, wie viel Interesse am Thema und bereits vorhandenes Wissen besteht. Recherchierte Fakten werden abgespeichert und man kann immer wieder darauf zugreifen. Die heutige Praxis, dass Artikel nach ihrer Zeit auf der Titelseite als Ganzes in tiefen Archiven verschwinden, kann so verändert werden. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

automatedinsights.com

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In den USA ist die Entwicklung der Algorithmen deutlich weiter als in Deutschland. Die Nachrichtenagentur AP gab im Juli bekannt, dass nun die Quartalsberichte von Unternehmen automatisch erstellt wird. Die Redakteure sollen sich mehr auf Hintergründe und deren Analyse konzentrieren.

Journalisten müssen jetzt nicht plötzlich Programmierer werden. Doch ein gewisses Verständnis für die Informatik ist bestimmt von Vorteil, um zu verstehen, wie ein generierter Artikel entsteht, und um Manipulationen zu erkennen. Algorithmen haben eigentlich keine Meinung, doch sie werden von Menschen geschrieben . Eine kleine Variation in einer Variable, die einen Schwellenwert bestimmt, welche Informationen in Texte kommen und welche nicht, kann den Artikel deutlich verändern.

Es wird Zeit, dass wir unseren Techniknegativismus ablegen und die Chancen erkennen!

Don't fear the future!

© Andrew Enright

 

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