Wer zahlt meine Zeitung?

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Dass es bei den Printzeitungen wirtschaftlich eher mau aussieht, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Wie lässt sich angesichts des Versagens konventioneller Finanzierungsstrategien ihr Fortbestehen sichern? Warum wir die Printzeitung noch brauchen und wie man ihr eine neue ökonomische Grundlage geben könnte.

Von Ludwig Paeth

„Im Jahr 2034 erscheint die letzte gedruckte Tageszeitung“. Die Prognose des Journalistik Professors Klaus Meier von der Universität Darmstadt ist vielleicht etwas gewagt. Eines ist jedoch unumstritten: Die Auflagenzahlen der meisten deutschen Printzeitungen nehmen immer weiter ab. Diese Entwicklung wird durch einen Teufelskreis zusätzlich verstärkt: Die stetig sinkenden Auflagenzahlen führen zu schrumpfenden Umsätzen bei den Zeitungshäusern. Folglich muss gespart werden, was sich negativ auf die Qualität der Zeitungen auswirkt. Als Konsequenz gehen weitere Leser verloren, was wieder zu sinkenden Einnahmen führt.

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Trendberechnung zur Auflage der Tageszeitung von Prof. Dr. Klaus Müller

Auch das Internet konnte bisher nicht dazu beitragen, das Zeitungsgeschäft rentabler zu machen. Dort hat sich unter den Onlinezeitungen vor allem das Modell der kostenfreien Verbreitung von Informationen durchgesetzt. Zudem gelingt die Finanzierung durch Werbung nur unzureichend. Die Idee, eine Printzeitung durch die Einnahmen ihrer Onlinetochter querzufinanzieren klingt verlockend, in der Praxis fließt das Geld allerdings vielmehr in die andere Richtung. Aktuell sind also auch die Onlinezeitungen von der Zukunft der Printzeitung abhängig. So hat das Internet den Zeitungsverlagen an Stelle von finanziellem Segen eher zusätzliche Belastungen gebracht.

Wenn eine Zeitung aufgrund mangelnden Geldes den Bürger nicht mehr ausreichend mit Informationen über seine Umwelt versorgen kann, wenn sie nicht in der Lage ist, ihn bei der Meinungsbildung angemessen zu unterstützen, wenn ihr die Fähigkeit fehlt, Missstände zu kritisieren und über das politische System zu wachen, dann bedeutet das die Nichterfüllung ihrer zentralen Funktionen. Eine solche Zeitung ist von geringem gesellschaftlichen Wert. Nur eine Zeitung, die über genug Geld verfügt um die genannten Aufgaben angemessen zu erfüllen, ist für eine Demokratie von Nutzen. Doch woher soll dieses Geld kommen? In vergangener Zeit wurde mit zunehmender Intensität nach Geschäftsmodellen gesucht, die den Zeitungen zusätzliche Einnahmen bringen und auf diese Weise zu einer Lösung ihrer finanziellen Probleme beitragen sollen. Auch wenn all diese Modelle ihre Schwächen haben, konnten mit einigen von ihnen bereits gewisse Erfolge erzielt werden.

Eine Möglichkeit zur alternativen Finanzierung einer Zeitung soll das Modell der Social Payments bieten. Hier wird es dem Nutzer ermöglicht, auf einfachem Wege selbst kleinste Beträge an den Unterhalter eines Mediums zu überweisen. Auf vielzähligen Blogs wird dieses Prinzip bereits angewendet. Auch die taz verfügt auf ihrer Webseite über eine Funktion, über die freiwillig an den Verlag gespendet werden kann. Nach vier Tagen seit Beginn der Kampagne hatte die taz bereits 4.600€ eingenommen. Das klingt zunächst beeindruckend, allerdings können solche Beträge nur einen geringen Beitrag zur Finanzierung einer Zeitung leisten. Man muss der taz jedoch zugutehalten, dass es ihr auf diesem Wege gelungen ist, einen Teil ihrer Leserschaft auf die finanziellen Probleme der Zeitungen aufmerksam zu machen.

Das Crowdfunding, als eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung von Journalismus, erweckte in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit, als sich einige Journalisten zusammenfanden, um das Projekt Krautreporter zu gründen. Man verkündete, man wolle ein Jahr lang ein qualitativ hochwertiges Onlinemagazin produzieren, falls sich genug Unterstützer finden lassen sollten, die bereit wären das Projekt mit 900.000 Euro vorzufinanzieren. Nach einer erfolgreichen Funding Phase, wird in diesem Herbst die erste Ausgabe des Krautreporters erscheinen. Auch andere journalistische Projekte konnten auf diese Weise bereits realisiert werden. Allerdings ist auch das Crowdfunding finanziell nicht stark genug, um eine Gesamtlösung für die Probleme des Zeitungsmarktes zu bieten.

Die Redakteure des Onlinemagazins "Krautreporter"

Die Redakteure des Onlinemagazins “Krautreporter”

Vor allem in den USA finden philanthropische Finanzierungsmodelle zur Förderung von Journalismus Anwendung. Hier wird versucht, einen Geldgeber – z.B. eine Stiftung oder ein Unternehmen – zu finden, der eine Institution oder eine Einzelperson in ihrer journalistischen Tätigkeit finanziell unterstützt, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten. Dieses Modell birgt jedoch das Problem der finanziellen Abhängigkeit des Mediums von seinem Geldgeber. Dieser ist in der Lage, Druck auf den Medienproduzenten auszuüben, um Medieninhalte nach seinen eigenen Interessen zu gestalten. Das Modell könnte also eine Einschränkung der Pressefreiheit zur Folge haben.

Andere Akteure der Medienlandschaft fordern öffentliche Gebühren zur Finanzierung von Journalismus. Allerdings stellt sich die Frage, anhand welcher Kriterien die von einer zentralen Stelle verwalteten Mittel sinnvoll zu verteilen sind. Zudem besteht auch hier die Möglichkeit zur Einschränkung der Pressefreiheit, da ein zentralistisch organisiertes Verteilungssystem Gefahr läuft, von staatlicher Seite beeinflusst zu werden.

Die Grünen propagieren bereits seit längerem das Modell einer Kulturflatrate. Hierbei zahlt jeder Bürger einen festgelegten Pauschalbetrag zur Förderung von Kultur. Im Gegenzug darf er alle Kulturgüter nach freiem Ermessen konsumieren. Das über die Pauschale eingenommene Geld wird auf die Produzenten von Kulturgütern – z.B. Musikproduzenten oder auch Journalisten – verteilt. Die zugewiesenen Beträge orientieren sich daran, in welchem Maße ein Kulturgut genutzt wird. Für einen oft gelesenen Artikel würde einem Journalisten somit mehr Geld zuteilwerden, als für einen, dem wenig Leserinteresse entgegengebracht wird. Das Modell ist momentan noch auf das Internet beschränkt, ließe sich aber unter Umständen auch auf die Printmedien ausweiten. Kritiker bemängeln vor allem den Zwang zur Zahlung einer Pauschalabgabe, auch wenn gar kein Interesse an der Nutzung von bestimmten kulturellen Angeboten besteht. Zudem ist die Gefahr groß, dass durch die Fälschung von Nutzungsstatistiken versucht werden könnte, stärker von den Gesamteinnahmen der Kulturflatrate zu profitieren. Weiterhin würde ein extrem aufwendiger Verwaltungsapparat von Nöten, der erstklassige Möglichkeiten zur staatlichen Einflussnahme bieten würde.

Die einzelnen Erfolge bestimmter Medienproduzenten, wie zum Beispiel der taz oder Krautreporter, bei der Erschließung neuer Geldquellen, beweisen, dass alternative Finanzierungsmodelle durchaus einen Beitrag zur Erhaltung der Printzeitungen leisten können. Auch wenn in nächster Zeit nicht damit zu rechnen ist, dass eines der beschriebenen Modelle alle finanziellen Probleme des Zeitungsmarktes auf einen Schlag lösen wird, zahlt sich die Suche nach neuen Einnahmequellen offensichtlich aus. Eventuell könnte auch die Kombination verschiedener Modelle zu weiteren Erfolgen führen. Man kann also nur hoffen, dass in Zukunft weitere Zeitungsverleger ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und es wagen, neue Wege zur Finanzierung ihres Mediums einzuschlagen.

 

Weiterführende Links:

Trendberechnung zu den Auflagenzahlen der Tageszeitung von Prof. Dr. Klaus Müller

Zur Website der “taz-zahl-ich” Kampagne

Von der Partei Bündnis 90/Die Grünen veröffentlichte Informationen zur Kulturflatrate

Interview mit dem Kommunikationswissenschaftler Tobias Eberwein zur Zukunft der Printzeitung

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