Informationsflut – tut uns das gut?

Informationsflut

In unserer postmodernen, digitalen Gesellschaft ist die Fülle an Informationen enorm. Egal wo wir sind, SMS, Facebook, Twitter, Instagram & Co begleiten uns zu jeder Zeit. So schaffen wir einen Zustand pausenloser Erreichbarkeit und uns ist eine ständige Verfügbarkeit an Informationen geboten. Wird uns dadurch eine Orientierungs-Hilfe ermöglicht oder sind wir mit der Masse an Informationen überfordert?

In unserer postmodernen, digitalen Gesellschaft ist die Fülle an Informationen enorm. Egal wo wir sind, SMS, Facebook, Twitter, Instagram & Co begleiten uns zu jeder Zeit. Wir twittern von schönen Erlebnissen, aktualisieren unseren Facebook-Status, teilen Fotos von gutem Essen bei Instagram und ganz nebenbei beantworten wir auch noch die E-Mail von unserem Chef. Das alles ermöglicht es, uns permanent über relevante Themen zu informieren und diese, wenn wir wollen auch zu kommentieren. Dabei bietet uns das Internet einen zusätzlichen Speicher all das abrufen zu können, wozu die Datenbank unseres Gehirns nicht ausreicht.

So schaffen wir einen Zustand pausenloser Erreichbarkeit und uns ist eine ständige Verfügbarkeit an Informationen geboten. Wird uns dadurch eine Orientierungs-Hilfe ermöglicht oder sind wir mit der Masse an Informationen überfordert?

Informationsflut

Foto: Daniel Keding unter cc auf flickr

Unser Mediennutzungsverhalten

Fast 10 Stunden unseres Tages verbringen wir mit der Nutzung medialer Inhalte. Dabei ist mit 4 Stunden pro Tag das Fernsehen immer noch das beliebteste Medium der Deutschen. Die Radio-Nutzung liegt bei über 3 Stunden, die Tendenz nimmt im Vergleich zum Internet ab. Der Internetkonsum ist in den letzten Jahren rasant gestiegen, besonders in der Zielgruppe der 14 bis 29-jährigen nimmt das Internet im Durchschnitt mit fast 4 Stunden pro Tag eine wichtige Rolle ein. Zeitung lesen wir lediglich noch 23 Minuten am Tag. Bei älteren Menschen verschiebt sich zwar die Gewichtung zwischen den Medien, tendenziell wächst der Medienkonsum aber ebenso wie bei jüngeren Leuten.Durchschnittliche Nutzungsdauer von Fernsehen, Radio und Internet 2000 bis 2014

Der Vergleich der letzen Jahre zeigt einen deutlichen Anstieg der Nutzungsdauer des Internets und des Fernsehens, wohin gegen der Hörfunk einen Rückgang zu verzeichnen hat.

Durchschnittliche Mediennutzungsdauer von Fernsehen, Radio und Internet 2000 bis 2014Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2014

Den Medienfluss hautnah erleben

Um die Informationsflut hautnah zu erleben haben wir (die Autorinnen) den Selbstversuch gestartet und uns bei sämtlichen sozialen Netzwerken angemeldet. Wir haben getwitter, geliked, geshared, gelesen – ja, tatsächlich auch einfach nur gelesen – was das Zeug hält. Natürlich haben wir viel darüber mitbekommen was andere Menschen machen, was sie für wichtig erachten und was in der Welt so los ist. Wir haben diese „Flut an Informationen“ regelrecht auf uns herein brechen lassen mit der Folge dass unser Medienkonsum definitiv gestiegen ist. Außerdem ist es uns tatsächlich schwer gefallen Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Statt wie geplant uns mit Nachrichten zu befassen, sind wir doch das ein oder andere Mal bei einem lustigen YouTube Video oder der Instagram-Galerie unserer Freunde hängen geblieben. Vor allem auf Facebook konnten wir beobachten wie sich Nachrichten mit Privatem vermischen.

Nach einer Woche können wir aber sagen: das hat uns angestrengt! Medien können doch ein ganz schöner Zeit-Räuber sein. Um zu erfahren ob es anderen Menschen ähnlich ergeht wie uns, haben wir uns in Dresden umgehört und die Menschen gefragt welche Medien sie konsumieren und wie es ihnen damit ergeht:

In unserer Umfrage wurden unterschiedliche Meinungen deutlich.

Einige empfinden die Informationsmenge die sie durch Medien erhalten, als genau richtig. Besonders Menschen die sich lediglich auf ein bis zwei Medien beschränken scheinen kaum Probleme mit der Informationsflut zu haben. Viele der jungen Leute haben uns erzählt, dass sie nur das Internet nutzen um an Informationen zu gelangen. Die älteren Leute hingegen nutzen dafür eher das Radio und den Fernseher.

Anderen wiederum ist die tägliche Informationsflut definitiv zu viel.Oftmals schalten sie deshalb sogar den Fernseher, das Radio oder den Computer aus. Viele sind der Meinung, der übermäßige Medienkonsum wirkt sich schlecht auf sie aus, das führt teilweise sogar soweit, dass Nachrichten vermieden werden.

Überwiegend Berufstätigen mit Kindern fällt es schwer, sich ausgiebig mit Medien zu beschäftigen. Als Grund dafür geben die Befragten vor allem Zeitmangel und den Negativismus in der Berichterstattung an. Die Menschen haben oft nicht genügend Zeit sich ausgiebig mit Medien und mit den für sie relevanten Themen zu beschäftigen und so sind sie bereits mit der Auswahl an Informationen aus der unglaublich großen Masse überfordert.

Das “Information Overload”-Syndrom

Dr. Ingo Ochlast, Facharzt für Arbeitsmedizin, bezeichnet dieses Sydrom der Überforderung durch mediale Inhalte als „Information Overload“. „Information Overload“ beschreibt einen Zustand, in dem eine Person Schwierigkeiten hat, aufgrund übermäßiger Datenmengen eine Entscheidung zu treffen.

Wir haben uns gefragt, welche Auswirkungen dieser sogenannte „Information Overload“ auf uns tatsächlich haben kann.

Bei unserer Recherche haben wir herausgefunden, dass unser Gehirn als Folge von Informations-Überflutung schneller müde wird. Das bedeutet, wir können uns nicht so lange konzentrieren und schweifen schneller ab. Außerdem werden wir bei dauerhaft übermäßiger Mediennutzung vergesslich. Das könnte daran liegen, dass wir nicht alle Informationen die tagtäglich auf uns einströmen, behalten können.

Das Internet hat einen großen Anteil am „Information Overload“: im Schnitt wird jeder Deutsche derzeit mit 6.000 Botschaften pro Tag konfrontiert. Die Tendenz dabei ist steigend. Täglich werden allein in Deutschland 41 Milliarden E-Mails empfangen, immerhin 28 E-Mails und 7 Newsletter sollen laut Statistik vom Online-Normalverbraucher an einem Arbeitstag gelesen werden.

Die durchschnittliche Verweildauer auf einer Internetseite beträgt laut Nielsen NetRating knapp 40 Sekunden. Andere Studien messen sogar nur 8 bis 12 Sekunden. Dazu kommen zusätzlich noch die Informationen der Medien, die wir nicht online empfangen.

Ob wir diese ganzen Informationen überhaupt noch verarbeiten können, beantwortet uns Kommunikationswissenschaftler Professor Dr. Wolfgang Donsbach im Interview.

Unsere Ratschläge

Abschließend haben wir einige Ratschläge zusammen gestellt, wie wir lernen können mit der Flut an Informationen in Zukunft besser umzugehen:

  1. Wir sollten auf Multitasking verzichten. Das bedeutet wir sollten lieber eins nach dem anderen machen und nicht mehrere Medien gleichzeitig konsumieren. Denn das führt zu einer Überforderung unseres Gehirns, sodass unsere Datenbank überlastet ist.
  2. Desweiteren könnten wir uns feste Zeiten einrichten, die wir mit dem Konsum von einem bestimmten Medium verbringen.
  3. Und unser letzter Ratschlag wäre es tatsächlich einfach einmal das Smartphone auszuschalten um ein gutes Buch zu lesen oder sich mit Freunden zu treffen.

Text: Tanja Gottsmann & Corinna Drexler

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