Emoji – Entstehung einer neuen Sprache ohne Worte?

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Der Standardsatz „Hallo! Wie geht’s dir?“ in einem Message-App ist heutzutage ohne ein kleines Smiley am Ende nicht vorstellbar. Die Smileys gehören schon seit langer Zeit für die Menschen zur Alltagskommunikation. Aber das ist noch nicht alles, was die digitale Revolution mit sich gebracht hat.

Von Elzyata Boschaeva

Jetzt hat jeder Smartphone-User die Möglichkeit, eine optionale Tastatur Emoji auf dem Handy einzustellen. Das ist eine Art Sprache der „modernen Smileys“, mit deren Nutzung man alles Mögliche beschreiben oder ausdrücken kann. Zum Beispiel 160x160xclinking-beer-mugs.png.pagespeed.ic.Gv-8d6e0qetanzen0329spart einem ein Paar Sätze, einen Freund in eine Bar einzuladen. Wenn man sehr hungrig ist, würde man kill ffmacmacdonalds. Ist man gerade im Urlaub? Dann umschreibt man das so 0315meer0443.

Emoji Smileys füllen einen Text mit Emotionen und Vorstellungsinhalten. Viele Experten sagen, es hilft die face-to-face Kommunikation in einem virtuellen Format einzurichten und manchmal sogar Missverständnisse zu vermeiden. Denn wenn man mit jemandem face-to-face spricht, muss man nicht extra sagen, dass man in dem Moment lächelt oder sauer ist – das sieht man auch ohne Worte. Der Sprachwissenschaftler Dr. Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin sagt, dass Emojis „Eindruck von der Situation vermitteln, in der die Nachricht geschrieben wurde“.

Außerdem gestehen Nutzer, dass Emojis die Worte abschwächen und die Kommunikation sensibler machen. Auch die sauren Smileys sind eigentlich lustig und ironisch. Weil mit so einem Smiley 33-angry-face man nicht wirklich Aggression oder Gewalt verbinden kann. Bei Emojis geht es erstens um die Comicstrips, die nicht gut dazu geeignet sind, die Aggression auszudrücken. Freude, Verwunderung, Aufgeregtheit, Lachen – alles ist dabei, aber Hass oder böse Ironie kann man sehr schlecht mit Emojis beschreiben.

Aber genau diese Unmöglichkeit, etwas Ernstes wie z.B. einen Streit oder ein trauriges Ereignis mit Emojis zu umschreiben hat verschiedenste Meinungen ausgelöst. In einer Diskussion auf gutefrage.net haben einige Nutzer besprochen, ob die Anwendung von Smileys bei einem Streit nicht komplett überflüssig ist. Die Nutzer waren sich schlussendlich einig bei Streitfragen das persönliche Gespräch mit dem Partner zu suchen, eine Textnachricht mit Emojis sei hier unangebracht.

Emoji für alle emoji-skin-colors128-man-and-woman-holding-hands0505

Bislang waren Emoji Smileys nur hellhäutig, was starke Kritik hervorrief. Auf dem Portal dosomething.org haben viele Leute eine Online-Petition unterschrieben, in der es um die Diversität und Individualität der Emoji-Gesichter ging. Das Ergebnis: Man kann jetzt mit dem neuen Update für iOS Geräte Emoji Smileys in allen Hautfarben benutzen. Außerdem kann man auch gemischte Paare, homosexuelle Paare, Paare mit Kindern und ohne Kinder finden. Sogar der Weihnachtsmann und der Polizist stehen den Nutzern in allen Hautfarben zur Verfügung.

Allerdings wird auch dieses neue Update kritisiert. In einigen Kommentaren auf Twitter wundern sich die Menschen, ob das gelbe Smiley etwa einen Asiaten darstellen sollte. Basiert Apple’s neue Version von Emojis etwa auf Stereotypen und Vorurteilen? Ist es eine ethnisch diverse Version oder vielleicht ein kleiner Scherz der Hersteller? Auf jeden Fall ist das Thema der verschiedenfarbigen Emojis noch lange nicht erledigt.

„Was? Ist 04-grinning-face für dich ein Grinsen?!“

Die eindeutige Interpretation einiger Smileys ist auch noch ein Streitpunkt der Emoji Diskussion. In einem der Kommentare auf Twitter steht zum Beispiel:„Das Smiley 04-grinning-face bedeutet für mich eher ein „Ups“ als Grinsen oder ein strahlendes Lächeln, wie das manche interpretieren. So als ob ich in dem Moment die Lieblingsvase von meiner Mutter zerbrochen hätte“. Emojis werden sehr verschieden ausgewertet, was meistens mit der Kultur und/oder mit dem persönlichen Hintergrund zu tun hat. Das Zeichen 20-praying-hands bedeutet für einige „high five“, aber die Mehrheit der Menschen finden es ist eher ein Symbol für betende Hände, Glaube und Hoffnung. Man kann bei Unklarheiten entsprechende Smileys im Hashtag auf der Foto- und Video-Sharing-App Instagram suchen und sehen dort, was alles unter einem Smiley verstanden wird.

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Das ist auch neu – Instagram hat sich auch von den Emojis inspirieren lassen und ermöglicht mit dem neusten Update Emojis in einem Hashtag zu verwenden. Bisher konnten die Nutzer die beliebten Smileys nur in der Bildunterschrift nutzen. Instagram begründet diese Neuigkeit so: „Emoji ist in den letzten Jahren zu einer universellen visuellen Sprache geworden“.

Emojis als psychologischer und sozialwissenschaftlicher Anreiz

Mit Anwendung und zunehmender Ausbreitung von Emoji Smileys sind auch die psychologischen und neuronalen Aspekte deren Verarbeitung interessant geworden. In der Studie von Owen Churches von der Flinders University wurde festgestellt, dass das menschliche Gehirn Emoticons nicht nur bloß verarbeitet sondern als echte Gesichter darstellt. Sie nennen das „kulturell bestimmte neuronale Reaktion“. Forscher meinen, das sich das menschliche Gehirn durch die „Sprache des Internets“ und die allgemeine Digitalisierung stark verändert.

Außerdem wurden zahlreiche soziale Studien durchgeführt. Im März fand die jährliche amerikanische Studie „Singles in America“ statt, die die Ausprägungen auf das intime Leben hinsichtlich der Intensität der Smileys-Benutzung untersucht hat. Die Ergebnisse waren folgende: 52% der „Emoji-Benutzer“ hatten im Jahr 2014 ein Date, im Vergleich zu nur 27% der „Emoji-Verweigerer“. Die Anthropologistin Dr. Helen Fischer erklärt, dass es sehr schwer ist, die natürlichen Gefühle mittels Email oder Textmessage auszudrücken. „Emojis helfen uns zu einer Kommunikation mit „echten“ Gefühlen zurückzukehren. Sie erlauben uns die Gefühle auszudrücken, die unsere natürlichen Prädispositionen sind“, so Fischer.

Der britische App-Entwickler Swiftkey hat auch eine Studie über den Emojis-Gebrauch durchgeführt, und zwar, welche Smileys in welchen Ländern am häufigsten vorkommen. Das Experiment hat nochmal verdeutlicht, dass die Vorurteile über eine Nation nicht immer stimmen. So wird Bierglas-Smiley nicht wie erwartend meistens von den Deutschen geschickt, sondern von den Brasilianern. Die Deutschen nutzen im Vergleich zu den anderen untersuchten Nationen am wenigsten Smileys. Meistens werden Kätzchen- oder Mäuse-Bildchen benutzt, die gewaltbetonten Emojis wie z.B. eine Pistole oder andere Waffen werden in Deutschland fast nie verschickt. Was die Herzchen und Küsse angeht stehen Frankreich und Russland am ersten Platz. Die Spanier und Italiener lieben Party-Smileys und glückliche Gesichter.

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Gut oder nicht gut?

Nun sind nicht alle glücklich mit dem Emoji-Phänomen. Es wird diskutiert, ob Smileys auf eine nicht elegante Weise die Worte ersetzen und die verbale Kommunikation somit verderben. Einige sagen Emojis sind nicht ernstzunehmen, zu kindisch und man kann mit Worten eh viel besser beschreiben und erklären. Die Linguisten gehen weiter und betonen, dass die neuen technischen Entwicklungen die Sprache korrumpieren und rechnen sogar mit dem Ende der “gewöhnlichen“ Sprache im Internet. Außerdem gibt es viel Kritik am Benutzen der Smileys in der Arbeit. Es wird in Frage gestellt ob es richtig ist, in einer Email an den Chef Smileys zu verwenden. Dazu gibt es verschiedene umstrittene Meinungen. Allerdings zeigt eine amerikanische Studie, dass zurzeit fast 76% der Unternehmen Smileys in der Arbeit mehr als akzeptabel finden. Ein Grund dafür ist der Fakt, dass viele Organisationen sich nach einer lockeren digitalen Kommunikation zwischen den Mitarbeitern streben. Einen anderen Grund erklärt Lauren Collister, Professorin der Linguistik der Pittsburger Universität: “Smileys helfen die Emotionen und den Tonfall besser auszudrücken, denn manchmal ist es sehr schwer in einer Email die Intonation zu verstehen. Emoji ist wie ein Wort ohne semantische Bedeutung, aber es fügt dem entsprechenden Satz eine Intention hinzu“.

Eine Sache ist klar: Emoji hat sich auf jeden Fall einen festen Platz in der modernen Welt erkämpft. Vielleicht kann man sogar sagen, dass eine neue Sprache der Emotionen entsteht. Ob Emoji irgendwann als eigenständige Sprache neben Sprachen wie zum Beispiel Deutsch oder Arabisch existieren kann, sehen wir in der Zukunft.

 


Mehr Info’s zum Thema: 

Artikel “Bilderbuch statt Roman?” 

(Foto: Erika Low, Flickr) 

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