„Immersiver Journalismus”: Mittendrin statt nur dabei?

Virtuelle Realität- die Zukunft der Medien?

Spätestens seit der Gamescom 2015 ist klar – die Virtual-Reality-Brille wird früher oder später Einzug in unsere Wohnzimmer erhalten. Welche Möglichkeiten bietet die neue Technik und welche Medien können diese nutzen?

Auslöser für diesen Trend war vor 3 Jahren ein 19-Jähriger, der sich in der Garage seiner Eltern aus Smartphone-Bauteilen eine VR-Brille zusammen baute. Schon als Prototyp stellte sie das meiste was in diesem Sektor auf dem Markt war, in den Schatten. Dank einer sehr erfolgreichen Kickstarterkampagne gründete sich daraus das Unternehmen Oculus. Im Frühling letzten Jahres erwarb dann Facebook das neugegründete Unternehmen für zwei Milliarden US-Dollar.

VR-Brille

VR-Brille

Auch andere Unternehmen wie Sony und Valve/HTC stellten ihre entwickelten Prototypen auf der Gamescom zum Test zur Verfügung. Im Handel sind die Modelle jedoch vorraussichtlich erst ab 2016 zu finden.

Diejenigen, die neugierig geworden sind und in die virtuelle Realität eintauchen möchten, können dies mithilfe ihrer Smartphones und einem Google Cardboard tun. Google Cardboard ist eine aus Karton gefertigte Brille, in die das Smartphone als Bildschirm befestigt wird. Mithilfe von einigen Apps ist es bereits möglich zu einem sehr erschwinglichen Preis in die virtuelle Welt einzutauchen.

Warum die VR-Brillen jedoch nicht nur für Videospiele interessant sind, sondern auch für andere Medien eine große Veränderung bedeuten könnten, liegt auf der Hand.

Zum einen kann die neue Technologie auf eher konventionelle Art, z.B. mit Filmen, bespielt werden. Vergangenes Jahr hat etwa Arte eine Dokumentation über die Nordwestpassage gebracht, zu der online auch 360-Grad-Filmpanoramen bereit stehen. Ebenfalls in 360 Grad lässt sich ein Konzert von Paul McCartney von der Bühne aus betrachten.

Doch auch der Journalismus könnte von den neuen Möglichkeiten profitieren.

Eine Pionierin in diesem Bereich ist Nonny de la Peña. In ihrem „Project Syria” taucht man in ein Szenario ein, das mit echten Filmaufnahmen eines Bombenanschlags beginnt und dann in eine per 3D-Grafik erzeugte Umgebung wechselt. Unterlegt mit echten Audioaufnahmen der Situation, kann man sich dann durch die zerstörten Straßen bewegen. De la Peña betont, dass es nur in diesem Medium möglich sei, etwas so unmittelbar erfahrbar zu machen und den Zuschauer näher an ein Geschehnis heranzuführen. Der Fachbegriff für diese Darstellungsform lautet „Immersiver Journalismus“.

 

“Wir erleben eine Revolution in der Art, wie wir Inhalte nutzen. Das Web war nur ein Schritt in diese Richtung. Virtuelle Realität bietet eine andere, viszerale Plattform, um außergewöhnliche Geschichten zu erzählen”, zitiert die Neue Zürcher Zeitung Nonny de la Peña.

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