Quotengeil – Quotengeiler – Öffentlich-Rechtliche?

Die Angst der Öffentlich-Rechtlichen nicht zu funktionieren und Quoten zu verlieren, hemmt sie in ihrer Programmauswahl. Welche Maßnahmen werden benötigt um sie wieder auf Kurs zu bringen?

von Pauline Müller, Marlena Handels und Ariane Strempel

 journalismus-fertig

Zahlreicher und lauter werden die Stimmen derer, die der Meinung sind, dass der zentrale Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen in ihrer Programmgestaltung zunehmend in den Hintergrund rückt. Und das nicht ohne Grund. ARD und ZDF schielen zu sehr auf die Quote! Es betrifft alle, da schließlich jeder Haushalt zahlt und dementsprechend etwas für sein Geld geboten bekommen will. Im 18. Rundfunkstaatsvertrag §11 heißt es, die „Angebote haben Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen“.  Um zu untersuchen, zu welchen Anteilen diese Kriterien im Programm vertreten sind, haben wir das von ARD und ZDF mit dem zweier privater Sender, Pro7 und RTL, verglichen und sind zu folgendem Ergebnis gekommen.

Auffällig ist, dass der Anteil von Kultur im Fernsehprogramm nicht direkt ersichtlich wird. Die Öffentlich-Rechtlichen schmücken sich zwar gerne mit dem Argument, dass diese auch in ihren ausgestrahlten Soaps wie „Rote Rosen“ oder „Sturm der Liebe“ enthalten sei, der Anteil jedoch ist bedeutend geringer, als der der Unterhaltung. Man sollte annehmen, dass unsere Kultur aus mehr als nur Affären und Streitereien besteht.

Wenn sie doch wenigstens mit umfangreich bildenden Angeboten dienen könnten. Zwar bringen sie aktuelle Informationen über das Weltgeschehen, die zur Bildung beitragen, Angebote, die darüber hinausgehen und Wissensshows bleiben jedoch auf der Strecke.

Es erweckt den Eindruck, als würden die Öffentlich-Rechtlichen dem Publikum am frühen Abend mit Absicht weniger Bildendes aufdrängen wollen, um die erschöpften Zuschauer nicht zu verlieren und somit die Quote aufrecht zu erhalten.

Anstatt sich durch ihre Programmgestaltung klar von den Privaten abzugrenzen und dem öffentlich-rechtlichen Auftrag gerecht zu werden, scheint es, als gäben sie sich dem Wettbewerb um die Einschaltquoten hin. Es ist doch nicht möglich, dass Unterhaltung gegenüber anderen Kriterien wie Kultur und Bildung einen so hohen Stellenwert einnimmt.

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Fußball, rote Rosen oder gleich die Privaten?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk übt einen enormen Einfluss auf die Gesellschaft aus. Um diese Macht auf positive Weise zu nutzen, schreibt der Rundfunkstaatsvertrag ihnen vor, auf die Ausgewogenheit der Angebote zu achten und Programme bereitzustellen, die das intellektuelle Verständnis der Allgemeinheit fördern und bereichern sollen. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Kultur und Bildung kommen deutlich zu kurz, wie auch aus unserem Programmvergleich hervorgeht! Die Sender trauen sich nicht, an gewagte oder bildende Formate heran, um ihre Zuschauerzahl ja nicht zu gefährden. Dabei ist es gerade in einer Gesellschaft, in der andere Quellen der Bildung wie das Lesen von Büchern oder Zeitungen immer weniger genutzt werden, wichtig, eine Möglichkeit der individuellen Weiterbildung anzubieten. Auch die Qualität der vorhandenen Wissenssendungen lässt zu wünschen übrig. Man nehme nur einmal „Wer weiß denn sowas?“, ein Format der ARD, genauer unter die Lupe. Hier rätselt Kai Pflaume mit dem scheinbar dauerhaften Quizshowgast Hoecker und dem „lustigen“ Elton über Fragen, die die Welt bewegen. Wer möchte schon wissen, warum ein Elefant am 14. Juni 1874 die Eads Bridge im amerikanischen St. Louis überquerte? Die Fragen scheinen aus der Luft gegriffen und dem Alltag fern. So fern, wie die eigene bei so einer Show aufkommende Motivation, sich geistig zu beteiligen. Zahlreichen Reportagen über Royals oder regionale Lappalien in „Drehscheibe“, die sich immer nur um zweitrangige Information drehen, setzen dem Ganzen das Sahnehäubchen auf. Stetig und unsichtbar schwebt der Druck der Quote über allen Entscheidungen. So werden anspruchsvolle Magazine und Dokus erst spät in der Nacht ausgestrahlt und das, obwohl doch gerade solche gehaltvollen Formate ein aufmerksames, waches und zahlreiches Publikum brauchen, um zu zünden und etwas zum gesellschaftlichen Diskurs beizutragen. Der Kroatien-Krimi um 20.15 Uhr scheint hierzu jedenfalls wenig geeignet.

Doch nicht nur in der Rubrik „Bildung und Information“ ist die Qualität nicht in wünschenswertem Maße vorhanden, auch der Bereich der Unterhaltung lässt an anspruchsvollen Inhalten zu wünschen übrig. Fast könnte man meinen, die Redaktionsleiter seien gebannt von der stetigen Angst das breite Publikum zu überfordern, so monoton liest sich das Fernsehprogramm. „Rote Rosen“ und „Sturm der Liebe“, Sport, Sport, Sport und der dritte Krimi innerhalb eines Tages. Es mangelt an Vielfalt, es mangelt an Neuem und Gewagtem, es erscheint eintönig.

Am stärksten äußert sich die ganze Quotendramatik jedoch an Feiertagen und am Wochenende. Eine kitschige Liebesromanze jagt die andere, ein Krimi den nächsten und auch der zwischendurch eingeschobene „heute x-press“ kann diesen Substanzverlust nicht vereiteln.

Doch wie bringt man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wieder auf Kurs? Eine Alternative zur konstant angebeteten Quote muss her! In ihrem Rausch bleibt die Qualität auf der Strecke. Es müsste doch möglich sein, eine Nische, eine feste Programmzeit für qualitativ hochwertige Formate sicherzustellen, welche nicht auf eine möglichst hohe Zuschauerzahl ausgerichtet sind und die unabhängig von dieser überzeugen. Wobei Sendungen unterstützt werden, die das breite Massenpublikum normalerweise nicht erreichen, sich jedoch positiv und bildend auf die Gesellschaft auswirken würden und die hierdurch für eine gewisse Grundversorgung an wertvollen Inhalten sorgten. Eine Festsetzung bestimmter Sendezeiten dieser Programme muss erfolgen und im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages durchgesetzt werden. Durch das transparente Vorgehen wird das Vertrauen des Publikums geweckt und der Rundfunkbeitrag gerechtfertigt. Bestimmen, was qualitativ hochwertige Formate sind, soll hierbei der Rundfunkrat.

Momentan besteht dieser aus gesellschaftlich relevanten Gruppen und wacht über die Einhaltung des Programmauftrags. Schaut man sich das Programm jedoch an, scheinen die Mitglieder des Rundfunkrats in einen tiefen Winterschlaf versetzt worden zu sein. Wo ist die Ausgewogenheit der Programme? Wo sind die besonders betonten Beiträge zur Kultur? Er scheint deutlich zu wenig Einfluss zu haben oder sich gänzlich nicht für das Fernsehprogramm zu interessieren.

Egal, was der Grund ist, feststeht, dass es für sie Zeit ist, die Augen zu öffnen. Der Abhängigkeit von den Quoten muss ein Ende gesetzt und die Debatte über die Qualität in den Öffentlich-Rechtlichen neu aufgerollt werden.

Quellen der Zitate:

Rote Zitate: http://www.tagesspiegel.de/medien/fuer-eine-koalition-der-mutwilligen-ard-und-zdf-sitzen-fest-zwischen-quotendruck-und-qualitaetsbewusstsein-das-muss-so-nicht-sein-/8391886.html

Blaue Zitate: http://www.theeuropean.de/jeanne-rubner/7163-bildungsanspruch-der-oeffentlich-rechtlichen –

Grüne Zitate: http://www.tagesspiegel.de/medien/oeffentlich-rechtliche-in-der-kritik-wie-ard-und-zdfihren-programmauftrag-verraten/13556944.html

Hellblaues Zitat: http://www.zeit.de/2013/22/oeffentlich-rechtliches-fernsehen-verwendung-gebuehren/seite-2

Gelbes Zitat: http://blog.insm.de/7045-wofur-eine-kritik-am-offentlich-rechtlichen-fernsehen/

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