45-Millionen-Spritze für ein junges Angebot – die Heilung der Öffentlich-Rechtlichen?

„Unauthentisch, erzwungen und ein bisschen befremdlich.“


Die ersten Kommentare zum neuen Angebot wirken ernüchternd. Ist das Projekt wirklich von vornherein zum Scheitern verurteilt oder bringt es die Jugend zurück zum Öffentlich-Rechtlichen?

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Dresden, 30.09.2016 Die Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks werden aufgrund des hohen Altersschnitts im Publikum immer stärker kritisiert. Um dieses Problem zu lösen, soll im Oktober ein mit 45 Millionen Euro aus dem Rundfunkbeitrag finanziertes junges Angebot von ARD und ZDF starten. Das neue Programm “funk” ist speziell auf 14 bis 29-Jährige zugeschnitten. Ein wichtiger Eckpfeiler des neuen Konzepts ist das Einbeziehen von Nutzerfeedback, welches schon vor Start über den offiziellen Blog des Programms erteilt werden kann. Während man sich von Seiten der Verantwortlichen konstruktive Vorschläge erwartete, fällt das Feedback bisher jedoch weitestgehend negativ aus. “Volksverdummung”, “Rentnerfernsehen für Jugendliche” und “ÖR dichtmachen” sind nur einige wenige Auszüge aus den teils harschen Kommentaren.

Im Rahmen eines Seminars der TU Dresden zum Thema „Journalismus“ haben wir uns ebenfalls mit einem öffentlich-rechtlichen Angebot für junge Leute beschäftigt. Mit Hilfe einer Umfrage wollten wir feststellen ob das neue Angebot tatsächlich die erwünschte Wirkung erbringen kann oder die Initiative floppen wird.

Heilung oder falsche Hoffnung? Unsere Diagnose:

umfragedaten

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass in der Zielgruppe von 14-29 Jahren eine durchaus breite Zuschauerbasis besteht. Drei von vier Jugendlichen, Teilnehmer sind überwiegend Studenten, nutzen mindestens gelegentlich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, nur 6,7% nie. ARD und ZDF stehen dabei vor allem für interessante und informative Beiträge (71,4%). Nur jeder Vierte bezeichnet die Inhalte als langweilig oder überholt. Dabei suchen Nutzer vorwiegend nach ortsunabhängiger Verfügung (60,7%), individuell gestalteten Inhalten (53,6%) und Feedback-Möglichkeiten (39,3%). Also nach Aspekten, die auch im geplanten Online-Angebot verwirklicht werden sollen. Vor allem die feedback-orientierte Programmgestaltung steht dabei für nutzerfreundlichen Content. 60% der Teilnehmer können sich zudem vorstellen „funk“ zu nutzen.

Warum gibt es dennoch so viel negatives Feedback?

diagramm

Gerade die Punkte, welche Jugendliche bei einem Online-Angebot für wichtig halten, sehen viele als problematisch in Bezug auf das „Junge Angebot“ an. So sind Aspekte wie ein authentisches Programm, sowie glaubhafte Akteure oder eine neue, innovative Aufbereitung der Themen in beiden Kategorien stark vertreten. Außerdem empfinden 56% der Jugendlichen das Angebot als überflüssig, da das Internet bereits ähnliche Inhalte bietet. Diese Befürchtungen werden zum Teil bereits durch das Konzept und den Blog des Programms bestätigt. So lässt sich beispielsweise vermuten, dass durch „zielgruppengerechte, genreübergreifende Aufbereitung“ seriöse Beiträge an Niveau verlieren. Ähnliches geschieht auf dem Blog des Angebots. So finden viele Nutzer Anstoß daran, dass durch erzwungenen Sarkasmus ernste Einwände überspielt werden. Gleichzeitig wird deutlich, wie die Verantwortlichen „jugendliches Verhalten“ definieren. Ob dadurch vernünftige Inhalte generiert werden, die auch Information und nicht nur Unterhaltung vermitteln, bleibt fragwürdig. Des Weiteren hat die schrittweise Entwicklung des Programms auch Potenzial, durch halbfertige Formate und Piloten, unsichere Nutzer von funk abzubringen.

Zusätzlich muss es das junge Angebot auch noch mit den altbekannten Krankheiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aufnehmen. Die Grafik zeigt, dass neben den spezifisch auf das Online-Angebot bezogenen Aspekten, auch generelle Befürchtungen geäußert werden. So werden die allgemeinen Probleme der Fixierung auf die Quoten (32%), sowie die Verschwendung von Geldern (28%) als ernste Probleme angesehen.

Ob funk letztendlich fehl- oder einschlägt hängt wohl stark von den Inhalten ab. Auch wenn das Programm an sich wohl nicht revolutionär sein wird, hat man die Mittel und den Willen ein kompetentes Online-Angebot zu erstellen. Es gibt ausreichend Jugendliche, die sich für ein derartiges Programm interessieren und sofern das Projekt glückt, wird man wohl auch endlich den Kritikpunkt des Rundfunks von den Alten für die Alten los.

Ab heute kann sich jeder selbst ein Bild von funk machen.

 

Blog des “Jungen Angebots von ARD und ZDF”

Konzept des Angebots

– Beitrag von Justine Büschel, Pia Ochel und Philip Schneid -

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