Der öffentlich-rechtliche Rundfunk – wo sich die Geister scheiden

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Ein Kommentar zur Zukunft des Rundfunks

Das deutsche Rundfunksystem steckt in der Krise, denn sowohl Interesse an den Programmen, wie auch die Legitimität der Sender sinken. Kritiker und Befürworter, Hetze und Reformrufe charakterisieren die Problematik aktuell. Wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk den Anforderungen noch gerecht? Brauchen wir Veränderung? Aber wie genau soll die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen aussehen?

Die Unzufriedenheit und gleichermaßen die Dringlichkeit einer Reform der ÖR-Medien wachsen. Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem ist durchaus berechtigt. Die undurchsichtige Organisation, die hohen Gebühren und demgegenüber, das nicht rundum zufrieden stellende Angebot, sowie die hohen Ausgaben der Einrichtungen für Sportprogramme und gelegentliche Auftritte einiger B-Promis, gehören zu den Vorwürfen. Öde, alt und langweilig wirken Rote Rose, Sturm der Liebe und weitere Unterhaltungsprogramme, die scheinbar hauptsächlich für den ÖR-Nutzer mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren gemacht sind.  Wollen die Öffentlich-Rechtlichen bei der Jugend punkten, müssen die Formate stärker moderne Themen behandeln und mehr Witz und Charme einbringen.

Quelle: bpb.de „Die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im digitalen Zeitalter“

Quelle: bpb.de

Weiterhin ist es für ÖR-Medien essentiell, ihr Online-Angebot stärker auszubauen. Zwar existieren bereits Mediatheken und Apps von ZDFund ARD, doch sind diese unübersichtlich und verbesserungsfähig, wenn es nach den Bewertungen der Nutzer geht. Hier sollte weiterausgebaut werden, umfassenderes Angebot bereitgestellt und allgemeinalles übersichtlicher und leichter aufgebaut werden. Dies könnte das Interesse und die Zufriedenheit der Nutzer steigern. Ähnlich der Internet-TV-Firma Netflix kann eine auf den individuellen Nutzer ausgelegte Auswahl an Formaten vorgeschlagen und angeboten werden. Je nach Geschmack, sei es eben Sportschau, Anne Will, Tatort oder die heute-show kann man verpasste Sendungen direkt und ohne langesSuchen auf dem Smartphone oder Zuhause am Rechner streamen. Einfach, unkompliziert und definitiv erfolgreich, wie man am Vorbild Netflixsehen kann.

Eine ganz andere Vision hat die Jungliberale Aktion Sachsen, diese fordert die Eingrenzung des Angebot der ÖR-Medien durch Privatisierung einiger Sender, und somit die Verringerung des Überangebots der Programme. Alle Sendungen im Bereich der Unterhaltung sollen völlig den privaten Sendern überlassen werden. Formate wie Tatort und Wetten dass…? würden nicht mehr in die Zuständigkeit von ARD und ZDF fallen. Sicherlich eine Enttäuschung für viele treue Fans, doch wäre es wahrscheinlich, dass erfolgreiche Sendungen wie der Tatort, vollständig von den Privaten übernommen und fortgeführt werden, womit niemand seine sonntägliche Beschäftigung einbüßen müsste. Genug Unterhaltung liefern uns private Sender und Internet bereits in großen Mengen. Die Öffentlich-Rechtlichen sollten ihr Augenmerk auf Information, Bildung und Beratung legen. Eine umsetzbare Vision, die besonders die Legitimität der ÖR bekräftigt, aber doch innovative Veränderungen vorsieht. Weitere Gedanken der Jungliberalen können hier gefunden werden. Die Auswahl an öffentlich-rechtlichen Formaten einzuschränken ist eine sinnvolle Idee, gibt es doch zahlreiche regionale Sender. Möglichkeiten sind jene Programme ausschließlich in den Online-Mediatheken anzubieten oder sie in Gänze einzustellen. Das Überangebot kostet viel und ist meist unnötig, viele Sendungen überschneiden sich nicht nur im Thema, wie beispielsweise die Zoo-Sendungen des ARDs, von denen es allein 4 verschiedene Varianten gibt. Ob dies notwendig, geschweige denn Teil der Grundversorgung der ÖR ist, bleibt zweifelhaft.

Ein Gegner der öffentlich-rechtlichen Rundfunkeinrichtungen ist zweifelsohne die Alternative für Deutschland. Mehrmals schon sorgte die Partei mit ihren recht drastischen Ansichten zu den ÖR für Schlagzeilen. Die Partei strebt eine tiefgreifende Veränderungen unseres jetzigen Systems an. Die Abschaffung der „Zwangsgebühr“ bzw. des Beitragsservices und stattdessen die Einführung von staatsfernem Pay-TV sind einige der Forderungen der AfD.

“Er [der öffentlich-rechtliche Rundfunk] privilegiert in äusserst unangemessener Art und Weise die ÖR-Medien, (…) Was einst als vernünftige Reflexion aus der jüngsten deutschen Geschichte konzipiert wurde, hat sich mittlerweile genau auf den Zustand hin entwickelt, der eigentlich verhindert werden sollte.”

Quelle: welt.de „Wer würde die Öffentlich-Rechtlichen vermissen?“

Quelle: welt.de „Wer würde die Öffentlich-Rechtlichen vermissen?“

Mit diesen Aussagen kritisiert die AfD Sachsen die ÖR in einem Interview sehr scharf, Problem der Forderungen der Partei-Sprecher ist aber, dass ihre Vorwürfe wenig stichhaltig begründet werden. Ist es also nur heiße Luft? Nein, denn die AfD steht mit ihrer  Kritik nicht alleine da, und die Fehler des öffentlich-rechtlichen Systems sind nicht von der Hand zu weisen. Doch sind die Ansprüche das System und die geltenden gesetzlichen Grundlagen völlig neu zu gestalten nicht nur gewagt sondern auch extrem. Ob als Folge dessen überhaupt noch die Gewähr qualitativer und guter Berichterstattung gegeben ist, bleibt fraglich.

Es gibt viele Visionen und Ideen, die Möglichkeiten bieten, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk erfolgreich zu reformieren. Nun müssen sich nur noch die Entscheidungsträger mit diesen auseinandersetzen. Denn Fakt ist, dass die ÖR zwar eine schwerfällige Einrichtung sind und eindeutig Probleme haben, doch ist ihre Bedeutung für die Qualität in Fernsehen und Radio nach wie vor gegeben. Den Schwarzsehern zum Trotz sollte jetzt die Chance zur Verbesserung ergriffen werden. Ob das öffentlich-rechtliche System auch in der Gegenwart und Zukunft noch eine Existenzberechtigung hat und seinem Programmauftrag gerecht bleiben kann, muss nun bewiesen werden. Eine Veränderung ist unausweichlich, auf die eine oder auf die andere Art.

von Antonia von Richthofen und Pauline Ritthaler

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