Sie kamen. Sie sahen. Und sie schalteten ab.

Die Öffentlich-Rechtlichen Sender werden für junge Zuschauer immer unattraktiver. Es fehlt an Abwechslung und Identifikationsfaktoren im Programm, stattdessen findet man sich in einem Dschungel aus Seifenopern und Tiersendungen wieder. Ein Ausbruch ist kaum möglich, oder vielleicht doch?

Das Programm von ARD, ZDF und Co: Vielfalt oder doch nur viel für alt?

Das Programm von ARD, ZDF und Co: Vielfalt oder doch nur viel für alt?

Dresden, 30.09.2016 Sie werden immer älter. Das Durchschnittsalter der Zuschauer von ARD und ZDF liegt bei 60 Jahren. Nach oben bleibt da nicht allzu viel Luft, nach unten hin umso mehr. Aber wo sind sie denn alle, die jungen Wilden? Draußen am Spielen sicherlich nicht, womöglich eher im Internet, im Zweifel jedoch bei den Privaten. Man kann es ihnen aber auch nicht verübeln. Das Programm der ARD und ZDF ist geprägt von Gesundheits-Checks und deutschen Telenovelas, deren Themen nicht die Jugend, sondern vor allem die Zuschauer ab fünfzig ansprechen. Monatlich zahlt man pro Wohnung eine Pflichtabgabe von 17,50 Euro, um den Dienst der Öffentlich-Rechtlichen Sender zu nutzen. Für die meisten lohnt sich das kaum, schaut man regelmäßig den Tatort, und nur den Tatort, summiert sich das auf knapp vier Euro pro Sonntag, keine geringe Summe. Doch was bleibt sonst als Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene auf den Sendern der ARD und ZDF? Sportübertragungen sind geprägt von Fußball. Vielfalt ist dort genauso fehl am Platz wie in der Sparte der Serien.

Am Ende sind sie alle tot.

Krimi, Krimi, Krimi, wenn die Öffentlich-Rechtlichen so weitermachen, sind sie am Ende alle tot – auch die Zuschauer. Doch selbst den Tatort, eigentlich eine eingefleischte Institution, schauen im Alter von 14-49 Jahren laut einer Studie von Media Control nur noch etwa 2%. Das ist ein verschwindend geringer Anteil, doch lässt sich dieser ganz einfach durch die verlockenden Blockbuster um 20:15 Uhr auf den privaten Sendern erklären. Außerdem schauen immer mehr der jungen Erwachsenen ihr persönlich zusammenstellbares Programm. Auf alternativen Kanälen wie Mediatheken oder bei Video on Demand Anbietern ist man weder an Sendezeiten, noch an einen Ort gebunden. Außerdem bieten sie eine breite Auswahl an ausländischen Großproduktionen an. Da kann der NDR mit einem lieb gemeintem „Niedersachsens kleine Helden – Hamster und Hasen“, einfach nicht mithalten. Schlicht und ergreifend, weil bei „Lara Croft“ oder den neuen Folgen von „House of Cards“ mehr geboten wird. Da ist mehr Action, mehr Leben, mehr jung drin und das für weniger Geld und mehr Auswahl, wie es beispielsweise auf Netflix der Fall ist. Dagegen ist „Der Sturm der Liebe“ eine einzige Flaute und auch die „Roten Rosen“ sind längst verblüht. Viele der Programmteile auf den Öffentlich-Rechtlichen Sendern sind einfach zu alt für die vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Dabei soll es doch auch diese Gruppen ansprechen, unterm Strich eben alle und nicht nur die Fangemeinde von Helene Fischer und die Tierfreunde dieses Landes. Ganz Deutschland soll sich in den Öffentlich-Rechtlichen wiederfinden, haben sie es sich doch zur Pflicht gemacht, „zur Information, Bildung, Beratung, Kultur und Unterhaltung einen Beitrag“ zu leisten und für Vielfalt zu sorgen, wie es auf der Internetseite der ARD geschrieben steht. Aber nicht nur Meinung, sondern auch Alter hat Vielfalt. Der junge Anteil scheint, zumindest auf den Hauptsendern ARD und ZDF, dabei jedoch um einiges zu kurz zu kommen.

Die jungen Zuschauer sind mit ganz einfachen Tricks einzufangen.

“ZDF_Neo” oder “ARD one” sind ein guter Versuch, die jungen Zuschauer einzufangen und Ihnen einen Platz zu geben. Und das mit ganz einfachen Tricks, die anscheinend auf den Hauptsendern doch so schwer umzusetzen sind. Nämlich junge Moderatoren, junge Themen und eine gute Mischung aus Witz und Ernsthaftigkeit, die Glaubwürdigkeit als Folge hat. Im Gegensatz dazu, bleibt die Attraktivität bei einer Handvoll alter Pensionäre, die über aktuelle Wirtschaftsthemen zur Hauptsendezeit lethargisch diskutieren, auf der Strecke. Wo bleiben da junge Visionäre, Start – Ups und frische Köpfe, die das Land sowieso schon besitzt? Das Rad muss nicht neu erfunden, sondern manchmal einfach nur gewechselt werden. So würde mit Sicherheit ein Umschwung auf jüngere Teilnehmer in Talkshows auch den Quoten der Öffentlich – Rechtlichen Sender zu Gute kommen.

Am Ende wäre allen geholfen, dem Zuschauer und den Produzenten. So werden die Einschaltquoten zunehmend wichtiger, da sie nun auch bei ARD und ZDF immer mehr als Maß der Dinge gelten, was gesendet wird und was nicht. Auch wenn anzumerken ist, dass die diese insgesamt gar nicht mehr so aussagekräftig sind. So schauen die meisten jungen Zuschauer nicht mehr in Echtzeit fern, sondern dann, wenn es ihnen gerade passt. Meistens geschieht das im Nachhinein über die Mediatheken der Sender oder den Onlinespeicher auf dem Fernseher. Aber wenigstens da kann der Zuschauer die Dauerschleife von „Elefant, Tiger und Co“ für eine Weile unterbrechen und das schauen, was ihm gefällt.

Von Pia Ochel,

Justine Büschel und Philip Schneid

Quellen der verwendeten Studien und Zitate:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/594846/umfrage/einschaltquoten-der-tatort-folgen-der-neuen-tv-saison/

https://daserste.ndr.de/ard_check/fragen/Aufgabe-und-Funktion-des-oeffentlich-rechtlichen-Rundfunks-der-ARD,antworten104.html

 

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