Konzept – Die Heute Show trifft auf Hörsäle

Das Problem – Läuft doch. Zwar rückwärts und bergab, aber läuft

Der Lokaljournalismus stirbt immer mehr aus.
Das liegt zum einen daran, dass die Printmedien sich ihrem Ende zuneigen und er sich von einer sperrigen, unzugänglichen Seite zeigt. Daher möchte man gern diese Inhalte ins Internet verlegen. Dies geschieht zum aktuellen Zeitpunkt aber eher lieblos mit wenig fortschrittlichem Layout, dass ältere Menschen überfordert und jüngere Menschen abschreckt.
Darauf wird bei unserem Besuch in der DNN Zentrale nur mit dem Argument reagiert, dass es keinen Grund gäbe, dies zu ändern, da die Auflagenzahlen nicht rückläufig sind.
Ein weiteres Hindernis ist, dass Heranwachsende bereits von der Informationsflut gesättigt sind(1), denn Instagram, Facebook und Snapchat decken einen großen Teil an leicht zugänglicheren Inhalten visueller Natur ab.
Heißt also gedanklich gesprochen: “Wieso sollte ich lesen, was im Lokal an der Ecke gestern passiert ist, wenn ich Videos von meinen Lieblingskünstlern und Freunden sehen kann und das kostenlos?”
Zu beiden habe ich einen Bezug, der der lokalen Berichterstattung weitgehend fehlt.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der Lokaljournalismus und die Jugend friedlich koexistieren, nicht mehr und nicht weniger.
Das kann und muss sich ändern. Deshalb hier meine Idee.

Das Ziel – Was wollen wir überhaupt?

Jugendliche und Heranwachsende aus dieser kostenlosen Komfortzone hervorzulocken wird schwer, wenn man sich den Gedankengang ansieht. 
Ich muss mich dafür entscheiden, lokale Nachrichten täglich in den Alltag einzubauen. Eine App herunterladen und mich durch sperrige Texte und Layouts kämpfen. Täglich.
Das klingt simpel, jedoch sind diese kleinen Schritte Entscheidungen, die nicht getroffen werden müssten und eine Aufgabe ohne wirklichen Profit für den Konsumenten darstellen. Das Ziel ist es, diese Schritte zu überspringen und andere ungenutzte Kanäle zu aktivieren, die ein Student/Schüler sowieso benutzen muss, die kostenfrei sind und auf seinem Weg liegen.
Weiterhin ist es wichtig, ein positives Gefühl mit Nachrichten zu assoziieren. Damit ist nicht gemeint: „Ich habe mich durch die Internetseite gekämpft und etwas für meine Allgemeinbildung getan“ Sondern ein simples „Hey, das hab ich gar nicht gewusst, dazu will ich mehr Wissen“ Gefühl in die Freizeit zu transferieren. Am besten von der Schule an.
Wie ist das anzustellen?

Die Idee – Und wie soll das gehen?

Die eben angesprochenen ungenutzten Kanäle beziehen sich dabei auf die Universitätskantinen, Lehrräume und Schulen. An manchen Schulen und Universitäten gibt es bereits Radiosender, jedoch ist dies nicht wirklich ein geeignetes Medium, da Taschenradios selten am Campus zu sehen sind.
Tag für Tag sitzt unsere Zielgruppe an einem Ort versammelt und sehnt sich nach Abwechslung. Zeitungen auslegen, kostenlose Abonnements anzubieten und Ähnliches hat laut meiner Erfahrung nie wirklich gefruchtet. Aber was wäre wenn man in der großen Pause mit bereits in jeder Schule vorhandenen Beamern und Leinwänden oder freien Flächen Videos projiziert, in denen Mitschüler auf eine verständlichere und lockere Art berichten, was in der näheren Umgebung passiert und wie es sich auf das Leben der Zuschauer direkt auswirkt?
Viele Schüler würden die Abwechslung nutzen, ihren Freunden zusehen und nebenbei noch relevante Informationen mitnehmen, sich darüber austauschen und eventuell bestimmte Themen weiter verfolgen. Freizeit, Bezug zu den Themen durch Freunde und Zielgruppenrelevanz wären verknüpft.
Dasselbe Prinzip ließe sich mit ein paar Abweichungen auch auf Universitäten anwenden. Universitätskomplexe sind etwas schwieriger zu bedienen – daher ein Rotationsprinzip. Es gibt meist mehrere Mensen, fakultätsbezogen. Doch aus dieser Komplexität und zahlreichen Örtlichkeiten könnte man einen Vorteil schlagen. Zum einen haben wir die Möglichkeit aus mehreren Leuten auszuwählen, die nicht nur der Zielgruppe entsprechen, sondern auch fakultätsspezifisch berichten können und innerhalb eines Studiengangs einen stärkeren Zugang legen können. Außerdem können wir denjenigen, die lieber ohne Unterhaltung essen möchten, die Möglichkeit geben, dies auch zu tun. Pro Sendetermin wird es in einer anderen Mensa stattfinden. Diejenigen, die sich dafür interessieren und teilhaben möchten können sich vorher informieren, wo heute gesendet wird.

Workflow – So funktioniert’s

Die Sendungen werden zweimal die Woche ausgestrahlt, aus dem Grund, dass dann aus mehreren Informationen ausgewählt werden kann und es immer etwas Spannendes zu berichten gibt.
Die Episoden werden vorher aufgenommen und dann auf einem Blog hochgeladen, aus dem nur noch ausgewählt werden muss. Auf diesem Blog könnten die erwähnten Links zu Vereinen und Events erwähnt werden, Einträge von anderen Seiten eingebettet – und Teaser für kommende Folgen veröffentlicht werden.
Da in Schulen und an Universitäten WLAN vorhanden ist, kann man also live vor Ort auswählen oder sie vorher herunterladen. Das gilt selbstverständlich auch für die Studenten und Schüler, falls man sich bestimmte Folgen nochmal ansehen möchte.
Da die Studenten alles selber machen, könnte dies als schulische Leistung bzw. als Credit angerechnet werden.
So würde ein weiterer Anreiz geschaffen, der die Teilnahme begünstigt.

Themen – Das was wirklich wichtig ist

Da wir uns von den Nachrichtensendungen und Zeitungen abheben müssen, wird es unterschiedliche Rubriken geben. Monotonie soll keine Plattformen finden, dafür aber Interviews mit lokalen Vereinen, den Damen von der Essensausgabe, dem Professor, Berichterstattungen von der letzten Party, Tipps für besseres Lernen, lokale Berichte mit viel Witz und ein paar Sketches. Damit wir schnell reagieren können und nicht überall unsere Augen und Ohren haben können, wird es eine Hotline geben, über die man Feedback, Themenvorschläge oder Bilder vor Ort einsenden kann. Die Partizipation der Zuschauer ist wichtig, da das Gefühl des Dabeiseins fast Nirgends im Lokaljournalismus verwirklich wird. Dabei geht es ja schließlich um lokales, also in meiner Nähe, wieso nicht Teilhaben?
Es wird feststehende Rubriken geben, aber auch Platzhalter für wichtige einmalige Informationen und Special Editions – wie die Prüfungsphase, die Abiturzeit oder Ähnliches.
Das Layout soll zwar eine gewisse Professionalität ausstrahlen, aber nicht zu ernst um eventuelle Nachrichtenmuffel abzuschrecken.

Die Moderatoren – Respekt wer’s selber macht

Die Moderatoren, Schnitt- und Tontechniker werden wie in jedem anderen Kurs mithilfe von Einschreibmodulen oder Listen erfasst, die nur eine begrenzte Teilnahmezahl erlauben. Dies gilt dann für eine Staffel, also 24 Folgen (drei Monate). So wird die Möglichkeit gegeben, besser zu werden, sich einzuarbeiten und dieses Gebiet ausführlich kennenzulernen. Weiterhin wechseln in einem Schuljahr/einem Semester die Gesichter und man hat selbst mehrmals die Chance sich einzuschreiben.
Da die Sendungen nicht zu einem unüberwindbaren Aufwand mutieren sollen, ist eine Länge von ca. 30 Minuten angemessen.

USP‘s – Alles schon einmal gesehen? 

Die Alleinstellungsmerkmale nochmal zusammengefasst beinhalten einmal die Verständlichkeit der Nachrichten und das Filtern von Interessanten bzw. das Uninteressante anschaulich verpacken. Weiterhin die Partizipation, indem einmal bekannte Gesichter auftreten und jeder die Möglichkeit hat eine Sendung, in welcher Funktion auch immer, selbst mit zu produzieren, und zum anderen durch die Hotline, in der selbst Bilder, Feedback und Beiträge eingesendet werden können.
Da unsere Zielgruppe Schüler von der 5. Klasse bis Studenten enthält, sind unsere Themen und unser Layout darauf zugeschnitten. Politische Satire und Kabarett vermitteln Nachrichten auch auf zugänglichere Weise, jedoch nicht lokal und jüngere Zuschauer und politisch wenig interessierte fallen durch das Raster, das vermeiden wir.
Außerdem zeigen wir auf, wie sich diese vermittelten Informationen direkt auf das Leben der Zuschauer auswirkt.
Wir wollen keinesfalls Anspruch erheben, alle lokalen Nachrichten in der Tiefe abzudecken, wir verstehen unser Format eher als Anreiz um Interesse zu wecken und die Scheu vor lokalen Nachrichten zu nehmen.

Vorbilder – Nicht das Rad neu erfinden, nur schönere Felgen

Dieses Format soll angelehnt sein an das politische Satireformat „Die Heute Show“(2), das mit viel Augenzwinkern die aktuellen Nachrichten mitteilt und an die ehemals erfolgreiche Sendung von Stefan Raab(3), die Tag für Tag tausende von Zuschauern(4) an die Bildschirme geholt hat.
Kombiniert man dieses Prinzip mit aktueller Musik, Jumpcuts und relevanten Themen für Jugendliche, hat man eine Symbiose aus einer Nachrichtensendung und einer Late Night Show, die am Tage stattfindet.

Zusammenarbeit mit Sendern – Jeder gewinnt

Da wir den Rahmen er Professionalität nicht vernachlässigen dürfen und die verfügbaren Gelder für Universitäten und Schulen meist bereits ausgeschöpft sind, brauchen wir Hilfe von außen, denn mit Kameras und Mikrofonen könnte man eine höhere Qualität des Sendung erreichen und sich von Amateurfilmen abheben.
Lokalnachrichtensender schauen auf niedrige Einschaltquoten und ein hohes Durchschnittsalter und könnten so ihre Chance auf eine jüngere Zielgruppe und höhere Zuschauerzahlen nutzen und dies als ihren Verdienst aufzeigen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass dies eigentlich nur der nächste logische und einer der einfachsten Schritte ist um alle Ressourcen auszuschöpfen um von einer friedlichen Koexistenz zu einer Symbiose zwischen Jugend und Lokaljournalismus zu gelangen.

Vanessa Ebert
Medienforschung Medienpraxis 1. Semester

1 – http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/sinus-jugend-studie-2016-zeigt-jugend-wenig-rebellisch-14200190.html
2 – https://www.zdf.de/comedy/heute-show
3 – http://www.myspass.de/shows/tvshows/tv-total/
4 – http://www.spiegel.de/kultur/tv/tv-total-raab-holt-mit-letzter-sendung-beste-quoten-seit-jahren-a-1068262.html

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