Unterwegs – Innovativer Lokaljournalismus in Dresden

Unterwegs” in Dresden – Unterwegs Bescheid wissen, was heute in meiner Stadt passiert. Auf dem Weg zur Arbeit, in die Uni oder in die Stadt, in der Straßenbahn. Zeitung lesen, unterwegs, auf meinem Smartphone. Eine Weiterentwicklung des Fahrgastfernsehens mit Einflüssen aus der Metropole London – So könnte Lokaljournalismus in einer digitalen Welt aussehen…

Früh um 8 in London: Während der Rush Hour sieht man vor allem Pendler auf ihren Weg zur Arbeit. In den überfüllten Wagons der U-Bahn ist mir aufgefallen, wie die Bewohner der englischen Millionenstadt Zeitung lesen. Hierbei handelt es sich nicht um eine selbstmitgebrachte Lektüre von zuhause, sondern um den Evening Standard.  Eine kostenlose Tageszeitung in London und Südengland, welche in der Metro verteilt wird. So werden am Tag etwa 2 Millionen Londoner erreicht, vor allem Pendler auf ihren Arbeitsweg. Ein tolles Konzept, oder?

Wieder zurück in Dresden beobachtete ich das morgendliche Treiben in der Straßenbahn. Die Leute schauen aus dem Fenster, sind mit ihren Smartphones beschäftigt oder warten einfach auf ihre nächste Station (was die Londoner natürlich auch machen!). Warum also nicht diesen Zeitraum besser ausgestalten? In Dresden nutzen täglich etwa 231.000 Personen die Straßenbahn, 38% von ihnen sind zwischen 18 und 30 Jahren alt, also exakt unsere Zielgruppe. In Dresden gibt es seit Anfang des Jahres das Fahrtgastfernsehen: Auf bereits 418 Monitoren in der Straßenbahn erscheinen Nachrichten, Veranstaltungstipps und Werbung. Das ist ein super Ansatz, aber geht es noch besser? Ist es in unserem digitalen Zeitalter möglich, Lokaljournalismus innovativ und auch für junge Leute interessant zu machen, in dem wir dieses Konzept in die neuen Medien integrieren? Können wir das Fahrtgastfernsehen mit der Verteilung des Evening Standards in der Londoner U-Bahn kombinieren und so passend für unsere Kleinstadt Dresden ausgestalten?

So könnte das aussehen: Das Modell des Fahrgastfernsehens wird weiterentwickelt. Die Monitore in den Straßenbahnen und Bussen werden genutzt, um die Passagiere kurz und brisant über aktuelle, lokale Nachrichten zu informieren. Knappe Schlagzeilen sollen das Interesse des Lesers wecken. Möchte sich dieser umfassender über das entsprechende Thema informieren, hat er zwei Möglichkeiten: Er scannt den Code auf dem Monitor und gelangt augenblicklich zu dem dazugehörigen, ausführlichen Artikel in der App. Der Fahrgast bestimmt also, welchem Thema er sich zuwenden möchte, er kann entscheiden, ob er sich nur kurz informieren möchte oder sich auf seinem Smartphone detailliert mit dem Artikel auseinandersetzt. Zusätzlich zu dem Smartphone-Angebot sollen alle Schlagzeilen, die an diesem Tag auf dem Monitor erscheinen, auch in ausführlicher Form als Tageszeitung erscheinen und kostenlos in der Bahn zur Verfügung gestellt werden. So wird das Angebot auch für Ältere, sowie für diejenigen, die ihre Zeitung lieber in der Hand halten und durchblättern, interessant. Auf den Monitoren würde ebenfalls der Hinweis „Weiter geht es auf Seite…“ stehen, damit man sofort weiterlesen kann.

Ähnlich wie beim Londoner Evening Standard soll die Stärke der Zeitung vor allem lokale Berichterstattung sein. Außerdem werden komplexe Themen durch eine “lokale Brille” betrachtet und somit verständlich gemacht. .„Unterwegs“ soll nicht nur diese ungenutzten Zeiträume auf dem Weg zur Arbeit, in die Uni oder in die Stadt füllen, sondern es soll auch das erste sein, was man morgens lesen will. Man nutzt diese 20 oder 30 Minuten effektiv, das Zeitungslesen wird zum morgendlichen Ritual, es wird unersetzlich. Und am Wochenende erhält man die Sonderausgabe “Unterwegs am Wochenende”, dessen Fokus mehr auf lokalen Unternehmungen, Veranstaltungen und Kulturberichterstattung liegt. Diese kann man dann morgens entspannt beim Frühstück über das Smartphone lesen, wenn man nicht in der Straßenbahn sitzt.

Wie soll das Ganze finanziert werden? Hier könnte ich mir vorstellen, dass eine Kooperation zwischen einem Dresdner Zeitungsverlag und dem Fahrgastfernsehen der DVB entsteht. Der Verlag profitiert hier durch eine hohe Reichweite und die öffentlichen Verkehrsmittel werden noch attraktiver für den Fahrgast. Der Druck der Tageszeitungen kann gering gehalten werden, da für jeden Bahn/ jeden Bus nur wenige Exemplare benötigt werden, da sie werden mehrmals gelesen werden. Man kann davon ausgehen, dass etwa 80% „Unterwegs“ bequem auf ihren Smartphone lesen möchten. Dieses App-Abo könnte man in das Studententicket integrieren oder zusätzlich zum Monats- oder Jahresticket ein „Unterwegs“- Plus-Abo anbieten (z.B. für einen Aufschlag von 10€).

Lara Rißland

Zahlen entnommen aus: https://www.sachsen-fernsehen.de/kategorie/fahrgastfernsehen/

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