„Wir verlieren sie!“ – Ein Konzept zur Wiederbelebung des Lokaljournalismus

Die Lage ist ernst: während Nachrichten von überregionaler bis globaler Bedeutung hochaktuell sowie unentgeltlich auf zahlreichen Online-Plattformen veröffentlicht werden, treiben rückläufige Einnahmen durch Werbekunden weitere Nägel in den Sarg des Lokaljournalismus.

Als Folge konzentrieren sich dessen Verantwortliche auf das Print-Recycling bereits online abrufbarer Informationen einerseits und auf die Gewinnung und Bindung von Abonnement-Kunden andererseits. Dabei übersehen sie eine potentielle Zielgruppe: die jungen Erwachsenen.

Das Interesse der jungen Menschen an lokalen journalistischen Erzeugnissen hält sich allerdings auch in Grenzen: erste Anlaufstelle zur Informationsbeschaffung ist meist das Internet, wo von Nachrichten, Fahrplänen, Öffnungszeiten, Bewertungen bis hin zu Kontaktanzeigen alles zu finden ist; besonders Apps für Smartphones oder andere Endgeräte ermöglichen eine zielgerichtete Suche und unkomplizierte, schnelle Kommunikation unter den Nutzern.

Doch genau diese Internetfixierung schafft die Grundlage für ein Konzept, das Lokaljournalismus und junge Leute einander näherzubringen vermag: online verschmelzen Medienanbieter und -konsumenten, Interessengruppen sowie Individuen können selbst Inhalte erstellen und publizieren, aber auch auf fremde Inhalte reagieren.

Daraus entsteht ein Konglomerat aus Meldungen; (für den jeweiligen Betrachter) hochwertige Informationen drohen unterzugehen zwischen Trivialitäten, Clickbaits und Fake News.

Gut geschriebene, unterhaltsame wie informative Beiträge stechen in diesem Umfeld aufgrund ihrer Qualität ganz besonders hervor. Mein Konzept basiert auf einer Kolumne, die auf humoristische, satirische Weise Themen des studentischen Lebens in Dresden behandelt und einmal wöchentlich in einer lokalen Zeitung erscheint.

Die Inhalte variieren dabei: je nach aktuellen Anlässen kann zu Semesterbeginn über die angesagtesten Opening Partys, im Dezember über den Weihnachtsmarkt oder momentan über das kontrovers diskutierte Mahnmal vor der Frauenkirche geschrieben werden, oder es stehen „zeitlose“ Themen wie die Mensen, das Nachtleben, Dynamo Dresden, Wandern im Elbsandsteingebirge, Entspannen auf den Elbwiesen, oder ein Opernbesuch im Fokus.

Die Themen der Texte sind hier so unterschiedlich wie ihre Verfasser: mit Beteiligung einer Lokalzeitung könnte die TU Dresden eines ihrer Seminare zum Thema Journalismus so erweitern, dass jede teilnehmende Person jeweils im wöchentlichen Wechsel einen Beitrag verfasst, der im Rahmen einer kurzen Runde zu Beginn jeder Sitzung vorgestellt und diskutiert wird, bevor er (evtl. nach Überarbeitung) an die Zeitung weitergeleitet wird. Diese kann den Beitrag dann auf ihrer Facebook- und Website und auch in ihrer Printausgabe im Rahmen einer „Studentenkolumne“ veröffentlichen.

Davon profitieren alle Beteiligten: die Zeitung erhält kostenlose Inhalte, die zum Einen in der Lage sind, Seitenaufrufe und damit Werbeeinnahmen zu generieren, zum Anderen aber auch die Aufmerksamkeit von jungen Lesern erregen und diese Zielgruppe dadurch auf ungezwungene Art ansprechen können.

Die Studenten hingegen sammeln praktische Erfahrung, da ihre Texte nicht im Email-Postfach eines Dozenten die letzte Ruhe finden, sondern einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden, dessen Reaktionen, Bewertungen, Zuspruch und Ablehnung vielfältiger sind als die tatsächlich vergebene Note.

Überaus praktisch ist auch das bereits vorhandene Netz einer Lokalzeitung, die mit ihren Abonnenten und Online-Besuchern viele Empfänger erreichen kann und damit eine ideale Plattform für die Kolumne bietet.

Um dem großen Teil potentieller Leser außerhalb des studentischen Milieus den Zugang zu diesen Beiträgen zu erleichtern, können hin und wieder Themen behandelt werden, die auch das Interesse anderer Personen- und Altersgruppen wecken, wie zum Beispiel die gemütlichsten Cafés oder der öffentliche Nahverkehr.

Dieses Konzept kann bei gutem Gelingen das gegenseitige Desinteresse von jungen Menschen und Lokaljournalismus abbauen und als Grundlage für weitere gemeinsame Projekte dienen.

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