Generationentreff Kraftwerk Dresden-Mitte: Wo Theaterkultur auf Moderne trifft

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Seit Dezember 2016 haben die Staatsoperette und das Theater Junge Generation gemeinsam ihre Pforten im sanierten Kraftwerk Mitte geöffnet. Waren vorher beide Einrichtungen jeweils am anderen Ende von Dresden beheimatet, teilen sie sich nunmehr eine Location. Auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks wurden in die Architektur der alten Industriegebäude hochmoderne Elemente eingebaut. Außerdem soll die neue zentrumsnahe Lage attraktiver für junge Leute sein. Wenn Theaterkultur auf Moderne trifft – kann das funktionieren?

Ein kaltes Winterwochenende im Februar. Am Abend steht unser erster Besuch der neuen Staatsoperette im Kraftwerk Mitte an. Wir sind gespannt und haben hohe Erwartungen, denn letztes Jahr haben wir bereits die 35-minütige Straßenbahnfahrt ins außerhalbgelegene Leuben in Kauf genommen, um den ehemaligen Standortort der Staatsoperette zu besuchen. Denn die Tickets, die je nach Sitzplatz, ermäßigt gerade Mal zwischen acht und dreiundzwanzig Euro kosten, sind auch für einen Studenten erschwinglich.

Die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Bahnhof Mitte dauert gerade einmal fünf Minuten, denn die neue  Staatsoperette ist jetzt viel zentrumsnäher. Unweit von Frauenkirche, Zwinger und Schloss ist sie somit auch für Touristen viel interessanter geworden. Auf dem riesigen Gelände sind neben der Staatsoperette und dem Theater Junge Generation eine Diskothek, das Energiemuseum der Drewag und verschiedene Coworking Spaces zu finden.

Betritt man die Staatsoperette, fühlt man sich zunächst erstmal wie in einer großen Kunsthalle. Die hohen Wände sind mit Backsteinen durchzogen und an der Decke befinden sich immer noch die ehemaligen Eisenkonstruktionen. Auf mich wirkt dieser Baustil nicht „spektakulär“ oder „hochmodern“, sondern kalt. Und ungemütlich. Jeglicher Theatercharme ist verloren gegangen. Ich habe mich in ein schickes Kleid geworfen, meine Begleitung trägt ein Hemd. Die meisten Besucher tragen Jeans und T-Shirt, als kommen sie gerade von der Arbeit oder vom Wocheneinkauf. Aber vielleicht gehört das ja zu dieser neuen modernen Theaterkultur dazu, die das Ambiente vermittelt.

Die Vorstellung an sich: Super! Klasse Akustik und Ensembledarstellung, tolle Darsteller, die sehr engagiert wirken. Aber auch hier wirkt der Saal wieder sehr kalt und modern. Mein Gesamteindruck: Das neu sanierte Gebäude ist sicherlich eine architektonische Glanzleistung aber eher für ein Kino oder eine Ausstellung, als für eine Operette. Altbekannte klassische Elemente fehlen und das „Drumherum“ passt einfach nicht. Aber vielleicht kann man hier auch eine Neuinszenierung der Theaterkultur entdecken: Statt einmal im Jahr, in den Alltag integriert! Mitten im Leben statt weit weg! Offen für jede Generation! Zeitgemäß! Wer es schick und gehoben mag kann schließlich im Ballkleid in die Semperoper gehen, oder?

Außerdem: Die Staatsoperette ist schließlich nicht alleine im alten Industriegebäude untergebracht, sondern auch das Theater Junge Generation für Kinder und Jugendliche. Weit weg von der klassischen Variante verlieren Schüler hier die Distanz von den Vorstellungen von Theater als langweilig und lernen es als modernen und irgendwie auch coolen Ort der Kultur kennen.

Eine Reportage von Lara Rißland

Bildquelle: http://www.staatsoperette.de/leuben/theater-neubau/neubau/

 

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