Goodbye Dresden! Das Auslandssemester

Schon mal drüber nachgedacht, Dresden während des Studiums für eine Weile zu verlassen? Wenn ja, dann sollte das folgende Interview sicherlich ein paar nützliche Infos für dich beinhalten. Wenn nein, dann kann es passieren, dass dich die folgenden Antworten ernsthaft zum Nachdenken anregen. Im Folgenden findest du ein Interview zum Thema Auslandssemester, welches ich mit der Dresdnerin Ute Tischler, die vor zwei Jahren in Palermo war, geführt habe.

Wie kommt man darauf, ein Auslandssemester zu machen?

„Na ja zum einen weil einem langweilig ist an seinem derzeitigen Studienort und man sich denkt ,ich muss hier raus und mal was neues sehen’. Außerdem möchte man die Sprache lernen und einfach mal in einer völlig anderen Umgebung sein. Außerdem macht es sich sehr gut im Lebenslauf. Das hat mir bei meinen bisherigen Jobs wirklich geholfen; da hatte ich durch mein Auslandssemester schon gewisse Vorteile.“

Was erhofft man sich sonst noch davon?

„Ich hab mir schon Party und Spaß erhofft und natürlich auch Freundschaften zu schließen. Und eben auch das, was ich bei der letzten Frage schon so ähnlich gesagt hab.“

Was sind die ersten Schritte, die man einleiten sollte?

„Die TU bietet da gewisse Anlaufstellen an und je nachdem, in welchem Fachbereich man verreisen möchte, muss man dann zu der jeweiligen Stelle gehen. Aber man kann natürlich auch Kommilitonen fragen, die bereits ein Auslandssemester gemacht haben; das ist wahrscheinlich erstmal der einfachste Weg. Und man kann natürlich auch zu Anfang die diversen Aushänge in der Uni anschauen, um sich die verschiedenen Angebote einzuholen. Aber am Anfang ist es wirklich am besten, andere Studenten mit Erfahrungen in dem Bereich auszufragen.“

Ist jeder geeignet für ein Auslandssemester?

„Na ja also jemand der sich aus drei Bäumen nicht raus findet, sollte das vielleicht nicht machen. Eine gewisse Selbstständigkeit ist da schon wichtig und rückblickend betrachtet, war meine Naivität und Furchtlosigkeit damals auch sehr hilfreich. Mir wurden da vorher nämlich einige Risiken aufgezeigt und jemand, der sehr ängstlich ist, wäre das Auslandssemester dann vielleicht gar nicht erst angetreten. Und gut organisiert sollte man auf jeden Fall auch sein.“

Wohl eine der wichtigsten Fragen für einen Studenten: Kostet das was?

„Also ich hab das ganze über Erasmus gemacht und da habe ich auch das Erasmus-Stipendium bekommen – ich weiß allerdings nicht mehr, wieviel das war – und ich habe Auslands-BAföG beantragt. Das ist ziemlich cool, denn davon muss man nämlich keinen Cent zurück zahlen. Insofern hat mich das ganze nichts gekostet – im Gegenteil: es hat mich eher ins Plus gebracht.“

Welches Semester bietet sich dafür an oder ist es egal, wann man das macht?

„Gute Frage. Ich habe es im dritten Semester gemacht. Wenn es darum geht, dass man ein fremdsprachliches Fach studiert und da auch eine Studienleistung in dieser Sprache erbringen muss, dann würde ich sowas schon eher am Anfang des Studiums machen, weil man es dann in den Sprachprüfungen natürlich leichter hat. Ist ja klar: durch mein Semester in Italien war ich dann in meiner Italienisch-Prüfung ziemlich gut.

Ansonsten ist ein Auslandssemester in der Mitte des Studiums sicher ganz günstig. Da hat man schon Erfahrungen an der Heimat-Uni und hat nach dem Auslandssemester noch genug Zeit, seine neuen Erfahrungen einzubringen.

Wie läuft das ganze ab bzw. welche Vorbereitungen muss man treffen?

„Als erstes sollte man sich fragen, was man überhaupt erreichen will und was genau man machen will. Man kann ja auch ein Praktikum machen und muss nicht unbedingt an einer Uni studieren. Dann sollte man sich dazu die entsprechenden Ansprechpartner suchen und sich beraten lassen – das finde ich ganz wichtig; man fühlt sich sonst ziemlich allein und da ist es schon gut, jemanden zu haben, der einem weiterhilft. Die verschieden Beratungsstellen sagen ja da einem auch, was genau man zu tun hat. Und dann sollte man natürlich Leute fragen, die sowas schon mal gemacht haben, was man da beachten sollte. Durch mein Fach stand das Land logischerweise schon fest und man kann aber ein paar Städte angeben, in die man am liebsten geschickt werden möchte und irgendwann erfährt man dann auch, wo man nun letztendlich sein Semester verbringt. Nachdem man das erfahren hat, sollte man sich im Internet darüber informieren, wie dort die Bedingungen (Wetter etc.) sind und darauf aufbauend planen, was man alles mitnehmen muss. Als nächstes sollte man sich um eine Wohnung kümmern. Das gestaltet sich ein wenig schwierig, wenn man nicht vor Ort ist. Aber das bekommt man auch hin: man bekommt ja Hilfe. Natürlich sollte man auch zeitig genug BAföG beantragen, damit es auch rechtzeitig da ist und man nicht mit leeren Taschen im Ausland da steht. Dazu sollte man sich auch kümmern, dass man gut an das Geld herankommt und nicht jedes Mal viele Gebühren zahlen muss. Und wichtig ist es auch, die verschiedenen Versicherungen abzuschließen. Dann sollte man auch daran denken, dass man sich an der ausländischen Uni in den verschiedenen Modulen einschreibt.“

Ist es schwer, danach wieder den Anschluss zu finden?

„Ja, fand ich schon. Vor allem dadurch, dass der Bachelor ja so kurz ist. Ich hatte da auch irgendwie nicht so die Möglichkeiten, mich an die anderen anzuschließen, weil natürlich alle schon weiter waren. Man hat dann in dem Semester zwar jede Menge Erfahrungen gemacht, aber die ganzen Freunde aus der Heimat haben diese ja nicht teilen können und andersherum. Und man kann sich zwar gegenseitig erzählen wie toll es war, aber das wird auch irgandwann langweilig und somit verliert man auch freundschaftlich ein bisschen den Anschluss. Also ich fand es nicht so einfach, aber wenn man es vorher weiß, dann kann man sich da auch vorbereiten und das ganze einfacher gestalten.“

Hat es sich gelohnt?

„Ja, auf jeden Fall. Es hat sich total gelohnt. Also für mich – und auch für eine Freundin, mit der ich dort gewohnt hab – war es die freieste Zeit meines Lebens. Dort kennt dich keiner, dort kannst du machen, was du willst und das ist einfach ein total cooles Gefühl, wenn du wieder nach Hause kommst und auf einmal eine Sprache fließend beherrschst. Und irgendwie sind auch alle stolz auf einen. Vor allem bei meinen Eltern hab ich das gemerkt. Die Erfahrung ist einfach Gold wert. Und einfach zu wissen, ich kann mich in einem fremden Land verständigen und mein Leben und meinen Alltag organisieren, gibt einem eine Menge Selbstvertrauen. Es ist auch total cool, wenn ich jetzt hier in Dresden einen Italiener treffe, dann freu ich mich, weil ich mit ihm reden kann, denn Italienisch wird ja nun auch nicht von so vielen Leuten gesprochen. Das ist schon cool. Kann ich nur empfehlen.“

Was war im Ausland besser als in Dresden und andersherum?

„Also was ich in Palermo total schön fand, war die Internationalität. Dort hatte ich meinen neuen Freundeskreis und da haben wir immer zusammen gekocht. Da gab es den einen Abend Türkisch, das nächste Mal Israelisch und an einem anderen Abend Rumänisch. Dieses Zusammensein wird ja in Italien generell ziemlich großgeschrieben; dass man viel Zeit zusammen verbringt, dass man zusammen isst… diese ganze italienische Lebenskunst fand ich sehr schön. Die haben halt so eine Leichtigkeit, die die Deutschen nicht haben. Bei uns ist alles zu verkrampft und verbissen. Ich hab auch versucht, mir diesen italienischen Stil eine Weile zu bewahren, aber der deutsche Alltag hat mich doch recht schnell wieder eingeholt.

Was die Uni angeht, sind mir die extrem engagierten Dozenten aufgefallen, die wirklich sehr nett waren und ihren Job mit Leib und Seele machten. Das fand ich toll. Die Studenten waren auch bemerkenswert. Die Hörsäle waren immer randvoll und es kam ab und zu vor, dass ein Student einfach in der Vorlesung aufstand und zehn Minuten lang eloquent seine Meinung zu irgendeinem Thema zum Besten gab. Das macht an der TU keiner.

Was mich an der Uni richtig gestört hat, war, dass dort z. B. wenn man jemanden sprechen wollte nie einer da war, obwohl er eigentlich Sprechzeiten hatte, die Kopierer haben nicht funktioniert oder das Einschreiben für die Prüfungen hat nicht richtig geklappt, sodass man dann nochmal da antanzen musste, obwohl man eigentlich andere Pläne für den Tag hatte. Also da hab ich die weitesgehend wohl organisierte TU Dresden schon ab und zu vermisst.“

Und hast du zu guter Letzt ein paar Tipps für diejenigen, die überlegen, ein Auslandssemester zu machen?

„Einfach Mut haben und machen. Ja, also das wäre mein abschließender Tipp.“

Ich bedanke mich ganz herzlich für die Fülle an Informationen.

„Sehr gern!“

Ein Interview von Paul Möhn mit Ute Tischler.

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