Sonntags im verkaufsoffenen Lidl am Dresdner Hauptbahnhof. Ein Augenzeugenbericht aus dem Krisengebiet

11.40 Uhr. Noch im Halbschlaf vor der Kaffeemaschine stehend werfe ich einen Blick in den Kühlschrank: beinahe verliere ich mich in der gähnenden Leere, die sich zwischen Senfglas und Ketchupflasche auftut. Mit knurrendem Magen stelle ich mir warme Brötchen, Nutella, Marmelade sowie Rührei mit Speck vor und fasse den folgenschweren Entschluss, diese kulinarischen Träume durch einen schnellen Einkauf im Supermarkt meines Vertrauens wahr werden zu lassen.

12.10 Uhr. Eingezwängt zwischen Tagestouristen, Rentnern, Teenagergruppen und Familien bahne ich mir den Weg durch den Hauptbahnhof. Abwechselnd von einem Kinderwagen hinter mir in die Kniekehlen gestoßen und an den Rucksack meines Vordermanns gepresst kommen mir erste Zweifel an meinem Vorhaben. Da umkehren in diesem Menschenstrom keine Option ist, ergebe ich mich meinem Schicksal und lasse mich von den Massen durch die Eingangstür des Supermarkts schieben.

12.45 Uhr. Dem durch seine KGB-Vergangenheit extremsituationserfahrenen Lidl-Sicherheitsmann gelingt es noch, mir einen kurzen, kritischen Blick zuzuwerfen, bevor ich von der Menge ins Herz des Einzelhandelinfernos getragen werde. Beim Versuch, zu Orientierungszwecken stehen zu bleiben, werde ich von einer Gruppe Dynamo-Fans erfasst und zielstrebig Richtung Dosenbier mitgeschleift.

14.25 Uhr. Eine hitzige Diskussion über das Bier mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis und einigen juristischen Erklärungsversuchen zum Kausalzusammenhang zwischen Gebrauch von Bengalos und Stadionverbot später gelingt es mir, in einen Seitengang zu flüchten. Vor meinen Augen streitet sich eine junge Frau mit einer Rentnerin um die letzte Packung Nudeln, bis die Seniorin durch offensiven Einsatz ihrer Gehhilfe die Auseinandersetzung für sich entscheidet. Erschrocken wende ich mich ab und bewege mich in den hinteren Teil des Ladens, wo anlässlich der bevorstehenden Camping-Saison auf einer Werbefläche ein Zweimannzelt aufgebaut ist. Für einen Moment spiele ich mit dem Gedanken, mich darin bis Montag zu verstecken, als ich ein leises Wimmern vernehme: in dem Zelt liegt ein Azubi in Embryostellung zusammengekauert und zittert am ganzen Leib. Fest entschlossen, nicht auch dem Apokalypse-Lidl zum Opfer zu fallen, greife ich ins nächstgelegene Regal und kann eine Schachtel Frischkäse und ein Baguette ergattern.

15.40 Uhr. Mit meinen Schätzen auf dem Weg zur Kasse gerate ich abermals in einen Sog kaufwütiger Leidensgenossen. An der Grenze meiner Belastbarkeit angelangt balanciere ich zwischen einer achtköpfigen Großfamilie und dem Spirituosenregal hindurch, stets bemüht, weder mit den Kindern hinter oder den Flaschen vor mir zu kollidieren. Ein einsam zwischen Jägermeister-Flaschen liegender Salatkopf lässt erahnen, welche schwerwiegenden Entscheidungen an diesem Ort bereits getroffen wurden. Vor mir blockieren drei Jugendliche den Weg und erörtern eifrig, mit welchem Produkt aus dem Weinsortiment der heutige Abend am besten eingeleitet wird. Während zwei von ihnen Bedenken an der Qualität des Tetrapack-Landweins äußern, weiß der dritte Somelier in spe Rat: mit Fanta gemischt wird auch der unedelste Tropfen sofort genießbar. Ich lasse die Gruppe hinter mir und reihe mich in eine Schlange ein, um zu bezahlen.

16.30 Uhr. Die zwanzig Personen vor mir musternd frage ich mich, wie lange es wohl dauert, bis ich an der Kasse angekommen bin. Gedankenverloren streiche ich durch meine Bartstoppeln und denke mit Tränen in den Augen daran, dass ich meine Wohnung frisch rasiert verlassen habe. Mit müden Beinen und schmerzendem Rücken schleppe ich mich in Zeitlupe weiter, bis ich endlich beim Kassierer angekommen bin. In seinen leeren Augen spiegelt sich meine eigene Erschöpfung, als ich ihm ein paar Münzen reiche und endlich auf den Ausgang zusteuere. Unter den argwöhnischen Blicken des Sicherheitsmannes laufe ich zitternd nach draußen, wo die kühle, aber frische Luft der einsetzenden Dämmerung empfängt. Erleichtert und vollkommen erschöpft stolpere ich auf die Straße zu, als der Lieferwagen einer Pizzeria mit quietschenden Reifen an mir vorbeifährt. In mir mischen sich Neid und Bewunderung für den raffinierten Glückspilz, dem sein Essen bis an die Tür gebracht wird, und beschließe, es ihm künftig gleichzutun.

„Wir verlieren sie!“ – Ein Konzept zur Wiederbelebung des Lokaljournalismus

Die Lage ist ernst: während Nachrichten von überregionaler bis globaler Bedeutung hochaktuell sowie unentgeltlich auf zahlreichen Online-Plattformen veröffentlicht werden, treiben rückläufige Einnahmen durch Werbekunden weitere Nägel in den Sarg des Lokaljournalismus.

Als Folge konzentrieren sich dessen Verantwortliche auf das Print-Recycling bereits online abrufbarer Informationen einerseits und auf die Gewinnung und Bindung von Abonnement-Kunden andererseits. Dabei übersehen sie eine potentielle Zielgruppe: die jungen Erwachsenen. Weiterlesen →

Unterwegs – Innovativer Lokaljournalismus in Dresden

Unterwegs” in Dresden – Unterwegs Bescheid wissen, was heute in meiner Stadt passiert. Auf dem Weg zur Arbeit, in die Uni oder in die Stadt, in der Straßenbahn. Zeitung lesen, unterwegs, auf meinem Smartphone. Eine Weiterentwicklung des Fahrgastfernsehens mit Einflüssen aus der Metropole London – So könnte Lokaljournalismus in einer digitalen Welt aussehen…

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Irgendwas mit Medien – du weißt schon, Projekte

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Irgendwas mit Medien – du weißt schon, Projekte

Einen dieser Teilsätze hat jeder schon einmal in einem hippen Szene Café aufgeschnappt.
Wir leben in einer Generation, die weg vom Schreibtisch möchte, weg vom „nine to five job“ und weg von allem Durchschnittlichen. Der nächste logische Schritt ist meist etwas eigenes, kleines – ein Start Up.

Aber von der witzigen Idee am WG – Küchentisch hin zur erfolgreichen Umsetzung ist es ein langer Weg.
Nehmen wir jedoch an, die ersten Hürden, wie fehlendes Geld und Erstellung eines professionellen Businessplans sind genommen – wie geht es weiter?
Potentielle Kunden oder Geschäftspartner finden um den Fortschritt zu gewährleisten natürlich.

Aber wo empfängt man solch wichtige Business Männer? Auf dem Sofa? Bei Mutti? In der Garage?

Hier kommt „The Shire“ ins Spiel1.
„Hello Networker; Goodbye Homeoffice“ Damit wirbt die Workplace Vermietung. Sie bietet hochwertige Büroflächen für kleine Firmen und Freelancer an.
Doch warum sollte man 125 Euro für einen Fix Desk und 649 Euro für einen Büroraum für vier Leute bezahlen und das nur für einen (!) Monat?

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Konzept – Die Heute Show trifft auf Hörsäle

Das Problem – Läuft doch. Zwar rückwärts und bergab, aber läuft

Der Lokaljournalismus stirbt immer mehr aus.
Das liegt zum einen daran, dass die Printmedien sich ihrem Ende zuneigen und er sich von einer sperrigen, unzugänglichen Seite zeigt. Daher möchte man gern diese Inhalte ins Internet verlegen. Dies geschieht zum aktuellen Zeitpunkt aber eher lieblos mit wenig fortschrittlichem Layout, dass ältere Menschen überfordert und jüngere Menschen abschreckt.
Darauf wird bei unserem Besuch in der DNN Zentrale nur mit dem Argument reagiert, dass es keinen Grund gäbe, dies zu ändern, da die Auflagenzahlen nicht rückläufig sind.
Ein weiteres Hindernis ist, dass Heranwachsende bereits von der Informationsflut gesättigt sind(1), denn Instagram, Facebook und Snapchat decken einen großen Teil an leicht zugänglicheren Inhalten visueller Natur ab.
Heißt also gedanklich gesprochen: “Wieso sollte ich lesen, was im Lokal an der Ecke gestern passiert ist, wenn ich Videos von meinen Lieblingskünstlern und Freunden sehen kann und das kostenlos?”
Zu beiden habe ich einen Bezug, der der lokalen Berichterstattung weitgehend fehlt.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der Lokaljournalismus und die Jugend friedlich koexistieren, nicht mehr und nicht weniger.
Das kann und muss sich ändern. Deshalb hier meine Idee.

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Konzept: „Unigator“ – die App, die dein Unileben erleichtert

Du bist verzweifelt auf der Suche nach dieser einen bestimmten Information, die du in dem Irrgarten der vielen Websites der TU Dresden mal wieder nicht findest? Du hast keine Lust mehr dich durch die fünf Seiten zu klicken, um zu erfahren, was es heute in der Mensa gibt? Dieses Problem löst unser neu entwickeltes Konzept der Studenten-App „Unigator“, die dir ohne großes Drumherum alle wichtigen Informationen zum Leben an der Uni liefert.  Weiterlesen →

Die Länder wollen der NPD den Geldhahn zudrehen.

Die Länder wollen der NPD den Geldhahn zudrehen.

Ist das die nachhaltige Lösung gegen Rechtsextremismus?

   Stark! Endlich wendet sich unser Verfassungsschutz gegen die rechtsextreme NPD. Das wurde auch Zeit, sagt sich der verfassungstreue Bürger. Wieso sollten Menschen, die durch ihren radikalen Vandalismus für Massen an materiellen Schäden sorgen auch noch durch unsere Steuern gefördert werden? Eine gute Sache, dass sich die Länder für diesen Schritt gegen eine Partei mit nationalsozialistischer Ideologie verbünden! Doch ist dieser Schritt der finanziellen Schwächung der NPD auch ein Schritt zur nachhaltigen Überwindung des Rechtsextremismus, also hin zu einer in ihrer Gesamtheit verfassungstreueren Gesellschaft?

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